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Fastenkur, Basenfasten, Entschlackung, Detox: Definition, Geschichte und Wirkungsgrad

Entschlackung, Detox, Fasten, Diät, Abnehmen, Adipositas
Genuss und Verdruss - Essen macht glücklich, das Thema aber meistens nicht.

Der bewusste Verzicht auf komplette oder einzelne Nahrungs- oder Genussmittel war ursprünglich ein religiöser Akt und wurde Heilfasten genannt.

 

Schon der griechische Arzt Hippokrates (2500 v.Chr.) vertrat die Position, dass die Heilfastenkur der Entschlackung des Körpers und/oder der Reinigung der Seele dienen soll. Ab 1920 verbreitete sich die Kunde der "Heilungserfolge durch Fastenkuren" nach Buchinger und heutzutage entwickeln sich weitere Kur-Trends.

 

Inwiefern helfen Fastenkuren abzunehmen und dauerhaft gesün-der zu leben? Was steckt hinter dem Wort "Detox" oder "Base"?

Die Bedeutung und die geschichtlichen Hintergründe des Fastens

Vor etwa 100 Jahren wurde man gesellschaftlich noch hoch angesehen, wenn man in der Zeit von März bis April nach den christlichen Vorgaben fastete (traditionell 40 Tage vor Ostern, von Aschermittwoch bis Karsamstag). Auch im Islam hält die Auffassung an, dass es ehrenvoll ist, das Leid eines Hungernden besser zu verstehen, indem man sich morgens vor Sonnenaufgang satt isst, tagsüber weder Was-ser noch Nahrung zu sich zu nimmt und nach Sonnenuntergang wieder Nahrung zu sich zu nehmen darf (im Fastenmonat, Ramadan).

 

Das religiöse Fasten nimmt mit der Moderne nach und nach ab. Der Verzicht auf Nahrung soll also heutzutage nicht mehr der Reinigung der Seele dienen oder der Buße, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Erleuchtung oder Erlösung, sondern mehr der Prävention vor bestimmten Krankheiten. Wer eine Heilfastenkur, einen Fastenurlaub oder ein Fastentag macht, tut das meist ganz unabhängig von der traditionellen Fastenzeit. Hier verwischen sich die Grenzen zwischen moralischen Werten, persönlichem Streben und dem Wunsch nach  der Entgiftung des Körpers und der Seele. 

 

Die Industrialisierung und der Überfluss an (ungesunden, stark verarbeiteten und nährstoffarmen) Nahrungsmitteln birgt inzwischen Krankheitsrisiken und Adipositas (krankhaftes Übergewicht) - was viele Menschen zum Nachdenken anregt und zeigt, warum fasten so im Trend liegt. Wir raten zu einer bewussten, nachhaltigen Ernährungsumstellung und nicht zu einem kurzweiligen, strengen Fasten. 

Die Wirksamkeit des Fastens

Ob Fasten gesund ist oder nicht, wird in der Wissenschaft unterschiedlich bewertet. Schwangere, Stillende, Menschen mit Untergewicht oder Erkrankungen wie Demenz, Leber- oder Niereninsuffizienz sollten nicht fasten. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Unterzuckerung, Schwindel, Kreislaufproblemen, Muskelkrämpfen und vorübergehende Sehstörungen sind möglich.

 

Wer auf Nahrung verzichtet, wird zweifelsohne an Gewicht verlieren, anfangs ist dies jedoch nur körpereigenes Wasser, was ein Teil des berühmten JoJo-Effekts ist (man nimmt vermeintlich ab, nach zwei Wochen sind die 2 bis 5kg jedoch wieder "drauf"). Der Körper baut nämlich zuerst das Wasser ab, dann die Muskelmasse und greift bei längerer Unterversorgung auf die eigenen Mineraldepots in den Knochen zurück. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) lehnt daher strenges Fasten bei Übergewicht ab.

Die verschiedenen Arten des Fastens - Buchinger, Detox oder Basenfasten?

In Deutschland bieten einige Kliniken Fastentherapien nach Buchinger an. Otto Buchinger war ein deutscher Arzt, der an Rheuma litt und sich 1919 selbst einer dreiwöchigen Fastenkur "erfolgreich" unterzog. Er gilt als Begründer des Heilfastens. Nach seiner Anleitung dürfen nach 1-3 Entlastungstagen nur noch Fastentee, Wasser, Gemüsebrühe, Säfte und Honig verzehrt werden. So nimmt man sehr wenig Energie auf, wird aber mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Unterstützt wird die Kur durch Darmentleerungen, wie Einläufe, tägliche Bewegung und Entspannung. Nach dem Fastenbrechen erfolgt die langsame, bewusste Nahrungsaufnahme.

Auch der Begriff Detox (engl. detoxification "Entgiftung") stammt aus jener Zeit um 1900, in der die Industrialisierung hoch zu Gange war. Damit soll(t)en mutmaßliche Giftstoffe und schädliche Stoffwechselprodukt ausgeschieden werden. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist nicht belegt und für Laien ist es hier schwierig zu unterscheiden, was es genau bedeutet, wenn von "Entgiftung oder Entschlacken" gesprochen und geworben wird, besonders wenn keine konkreten Stoffe genannt werden oder die vorhandene Menge nicht gemessen wird.

 

Basenfasten ist ein mittlerweile bekannter Begriff. Hier wird auf das nötige konstante Verhältnis von Säuren und Basen im Blut hingewiesen. Leber, Niere und Lunge sorgen täglich dafür, dass unser pH-Wert in Balance bleibt. Diese Balance kann jedoch durch unterschiedliche Auslöser aus dem Lot geraten: durch den modernen, stressigen Lebensstil, Arbeitsdruck, Depression, Burn-out, auch durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung. Wer viel Fleisch, Milchprodukte und Kohlehydrahthaltiges (wie Brot, Nudeln, Reis), dafür aber wenig Obst und Gemüse isst, tut seinem Körper damit auf Dauer wenig Gutes. Hierbei kann ein Säureüberschuss  entstehen, der durch Mineralien wie Kalzium, Kalium und Magnesium ausgeglichen werden muss. Wenn diese Mineralien über Rohkost (wie Spinat, Salat, Obst)  nicht zugeführt werden, greift der Körper auf die körpereigenen Mineraldepots der Knochen zurück, was allge-meine Erschöpfung zur Folge hat. Fühlt man sich oft müde, ist unkonzentriert und häufiger Muskel- oder Gelenkschmerzen ausgesetzt, ist dies ein Anzeichen dafür, seine Ernährung umzustellen - fernab jeglicher Empfehlung von einer Darmreinigung und einer plötzlichen "Basenkur". Sich an mehr Obst, Gemüse und häufiger stilles Wasser zu gewöhnen, funktioniert auch ohne gekaufte Kur oder Produkte.


Das heutige Wissen über die Funktionsweise des Körpers lässt uns in der Praxis Thielmann meist den Kopf über die "Fasten-Therapien" schütteln. Ausleitende Verfahren wie Schröpfen, Cantharidenpflaster, Einläufe, Abführmittel (Laxantien), Schwitzkuren (Sauna) und die Fastenkur wirken zum Teil sehr belastend oder arbeiten oberflächlich und sind daher von unserer Seite nicht zu befürworten.

Natürlich fallen beim Stoffwechsel giftige Produkte an, welche jedoch wie hier beschrieben über Leber und Harn ausgescheiden werden. Erst wenn die beteiligten Organe nicht gesund sind, können in Blut oder anderen Geweben Schadstoffe in erhöhter Konzentration auftreten, welche dann homöopathisch oder in der Klinik anhand einer Dialyse behandelt werden müssen. Für Ablagerungen bei Arteriosklerose oder Gicht gelten meist jahrelanger ungünstiger Lebensstil und genetische Veranlagung als Ursache. Hier hilft neben einer ganzheitlichen Behandlung nur eine gezielte Ernährungsumstellung und keine kurzzeitige Kur.

 

Ein funktionierender Stoffwechsel fördert immer Vitalität und Leistungsfähigkeit

Klassische Homöopathie, gesunde Lebensführung, AUDE SAPERE, Interview mit Gudrun Thielmann "Fasten, Reinigungskur, Detox etc."
Beeren, Kräuter, Nüsse... Tägliche, inhaltvolle Leckereien tun Körper und Seele gut - meist besser als eine strickte Fastenkur.

Zu sich selbst finden, seinem Körper Ruhe und abwechslungsreiche Nahrung zu bieten, bewusster sein Leben wahrzunehmen, zu genießen, zu entscheiden - das alles ist im Alltag möglich.

 

Fastenurlaub, Fastenwandern oder Veranstalter, die Rohkost-Fasten, Smoothie-Fasten oder Basen-Fasten anbieten, sind für viele Menschen auch eine neue Möglichkeit, sich dem Thema der Gesundheitsbildung anzunähern.

 

Diese Bildung kann man einfach selbst in die Hand nehmen oder gute Vorträge qualifizierter Mediziner besuchen. Manchmal lohnt es sich, sich zu hinterfragen, ob man auf den Verkaufsklang einiger Veranstalter folgt oder das Geld in langfristige Gesundheit steckt. Wir wünschen Ihnen viele positive Erlebnisse auf dem langen Weg zur umfangreichen Gesundheit! 

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