Depression: Definition, Behandlung, Tipps

Depression - Definition - Behandlung

Jeden Dritten "überfällt" sie mehr oder weniger. Liegt die Veranlagung zu Depression in unseren Genen? Kann davon jede*r betroffen sein? Ist sie eine gesellschaftlich bedingte Volkskrankheit oder ein Zeichen "persönlicher Undiszipliniertheit"? Was genau passiert in Gehirn und Gemüt des Menschen, wenn er depressiv wird? Woran erkennt man eine leichte oder schwere Depression?

 

Ein freudloses, aber lesenswertes Thema. Neben alternativen Behandlungsmethoden zeigen wir Ihnen nützliche Erkenntnisse zu Depressionen auf, um die "Krankheit des Pessimismus'" besser zu verstehen. Verstehen und Verständnis sind wesentlich, um den Umgang mit einer Depression oder einer depressiven Person zu erleichtern:

Definition Depression

Das Wort Depression kommt aus dem Lateinischen von "deprimere: niederdrücken“, was zugleich das grundlegende Gefühl einer Depression beschreibt. Eine Depression sollte ernst genommen und keinesfalls als eine "Laune" abgetan werden. Je nach Symptombild stellt sie eine psychische Störung dar, die einer Behandlung bedarf: Depressionen senken deutlich die Lebensqualität Betroffener und nahestehender Personen. (Mehr zu Ursachen und Sinn einer Depression gibt es hier)

 

Jeder von uns kennt das Motivationstief, die Unlust, den Frust oder die Trauer, die Orientierungslosigkeit und den Wunsch nach Ruhe und Rückzug, was mit einer anfänglichen Depression einhergeht. Treten diese Anzeichen zeitweise, z.B. einige Tage oder einige Stunden am Tag auf und findet man sich im Alltag trotzdem weiter zurecht, spricht man nicht von der Depression im pathologischen Sinne. Eine krankhafte Depression dauert durchgehend 14 Tage und darüber hinaus an, in der weder Fürsorge für sich selbst noch für andere getragen werden kann: Die Person isst und trinkt wenig, bleibt im Haus, um Kontakte zu vermeiden, hat Schlafprobleme, negative Gedanken (bishin zum Selbstmord) und findet aus sich selbst heraus hier keinen Ausweg mehr.

 

Selbst eine leichte Depression, die umgangssprachlich oft mit "schlechter Stimmung" definiert wird, ist nicht zu unterschätzen und zeigt definitiv Handlungsbedarf auf. Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Laut WHO beträgt die Zahl der von Depression und Angststörung Betroffenen deutschlandweit derzeit ca. 5 Millionen. Durch den vermehrten Anstieg dieser Anzahl wird sie auch mit verschiedenen gesellschaftlichen Einflussfaktoren in Zusammenhang gebracht (siehe Ursachen und Sinn der Depression). Besonders gefährdet sind nach wie vor Jugendliche, Frauen vor und nach der Geburt und ältere Menschen.

Symptome einer Depression

  • gedrückte Stimmung
  • das „Gefühl der Gefühllosigkeit“, anhaltende "innere Leere"
  • gehemmter Antrieb und Interessensverlust
  • negative Gedankenschleifen, Hoffnungslosigkeit
  • Verlust von Lustempfinden und Freude
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • fehlende Leistungsfähigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit
  • Desinteresse an der eigenen Lebenserhaltung bzw. Gesundheit; Appetitlosigkeit herrscht vor; Magersucht (Anorexie) steht mit Depression im engen Zusammenhang
  • Verlust der affektiven Resonanz: die Stimmung der Person ist durch Zuspruch nicht aufzuhellen
  • Überforderung in Alltagssituationen und tatsächliche Hilflosigkeit
  • diffuse Schmerzen am ganzen Körper
  • Selbstverstümmelung durch Aufkratzen, Aufschlitzen, Nägel kauen, Haare ausreißen u.Ä.
  • Reizbarkeit; Ängstlichkeit; Hypochondrie
  • Schlafstörungen, chaotische Schlafenszeiten, Alpträume
  • Suizidgedanken oder -handlungen: schwer Betroffene empfinden oft eine völlige Sinnlosigkeit ihres Lebens

Verschiedene Formen einer Depression

  • Dysthymie

  • Bipolare Störung

  • Borderline-Persönlichkeitsstörung

  • Anpassungsstörung

  • Chronisches Erschöpfungssyndrom

Mögliche Ursachen einer Depression

  • Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen

  •  Erkrankungen der Schilddrüse

  • Anämien, Vitamin-B12-Mangel, Fruktosemalabsorption
  • Traumata
  • Armut
  • Stress

Mehr zu Ursachen und Sinn einer Depression gibt es hier.
Eine Anleitung, um möglichst schnell einen guten und passenden Psychotherapeuten zu finden, gibt es hier.

 


Wenn das Leben unerträglich ist - und man sich schämt, dies zu sagen...

Keiner trägt gerne "den Stempel einer Krankheit" auf der Stirn. Bei Depression kommt zusätzlich erschwerend hinzu, dass die Betroffenen teilweise von ihren Mitmenschen das Gefühl vermittelt bekommen, persönlich versagt zu haben oder charakterschwach zu sein. Daher sind Depressionen häufig mit Schuldgefühlen und Scham verbunden. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, hier Aufklärung zu betreiben und zu mehr Verständnis und Toleranz aufzurufen, damit Betroffene und Angehörige es leichter haben, Gehör und Unterstützung zu finden.

 

Wenn Sie persönlich depressive Gefühlen haben und in negativen Gedanken kreisen, können Sie sich hier kostenlos unterschiedliche Hilfe holen. Nutzen Sie auch diese einfache Anleitung, um die richtige Psychotherapie und den richtigen Psychotherapeuten schnellstmöglich zu finden.

Der Verlauf einer Depression - von leicht zu schwer:

Zu anfangs treten die niedergedrückten Gefühle schleichend auf, meistens durch einen Auslöser, wie ein Konflikt oder Sorgen. Der Betroffene denkt, wenn er das Problem löst oder die Krankheit, die ggf. hormonell die Stimmung beeinflusst, übersteht, wird es ihm automatisch besser gehen. Mit der Zeit treten aber Schlafstörungen auf, die Person liegt nachts zu lange wach, kommt morgens nicht aus dem Bett. Im Alltag macht sich Unlust breit und jegliches Interesse und Ehrgeiz fehlen, egal, wie sehr andere einen aufmuntern, und auch nachdem das Problem oder die Erkrankung vermeintlich gelöst ist, bleibt die depressive Stimmung bestehen. 

 

Kommen diese Situationen immer wieder oder bleiben sie immer länger, wandelt sich die anfangs leichte zu einer schweren Depression.

 

Bei einer schweren Depression kann der Betroffene in seinem Antrieb so stark gehemmt sein, dass auch einfachste Tätigkeiten wie Körperpflege, Einkaufen, Telefonieren oder Abwaschen nicht mehr verrichtet werden können. Die Person befindet sich in einem ständigen innerem Kampf, der sich mit dem Gefühl von "anhaltender Leere" abwechselt: Körperlich ist die Person gehemmt, sich zu bewegen. Die Hemmung von Bewegung und Initiative geht paradoxerweise mit innerer Unruhe einher, die sehr quälend sein kann. Der Betroffene sitzt ruhig, scheinbar regungslos da, sein Innerstes ist jedoch vollkommen aufgewühlt, aufgeregt, verwirrt und hin- und hergerissen.

 

Der Schlaf bleibt in Form von vorzeitigem Erwachen gestört, meistens zwei Stunden vor der gewohnten Zeit. Diese Schlafprobleme sind Ausdruck eines gestörten biologischen Rhythmus'. Unabhängig von der Schlafqualität macht der Betroffene oft ein Tagestief durch: Ihm geht es vormittags besonders schlecht oder es tritt abends vermehrt ein "Stimmungstief“ auf. Das heißt zum Beispiel, dass sich die Symptome gegen Abend verstärken und das Einschlafen erschwert bzw. unmöglich ist. Hier zeigt sich die charakterliche Unterschiedlichkeit jeder Depression, welche in einer guten Behandlung mitbeachtet werden sollte und beispielsweise in einer klassisch homöopathischen Anamnese präzise erfragt wird. 

 

Bei längerem Verlauf einer schweren Depression ist auch das sexuelle Interesse vermindert oder es erlischt ganz (sogenannter Libidoverlust). Dies ist eine entwicklungsbiologisch sinnvolle Reaktion, da in einer depressiven Phase keine Kraft für Vermehrung bzw. Nachwuchs vorhanden sein kann! Trotzdem belastet dies die Betroffenen oftmals zusätzlich, weil darunter auch die partnerschaftliche Beziehung leiden kann. 


Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, ein chaotisches Kommen und Gehen der Symptome gehören auch zum typischen Verlauf einer Depression. Diese Schmerzen geben Hinweise darauf, wie dringend es dem Körper ist, Ruhe und Hilfe zu bekommen - sie können aber auch ein Hinweis auf tatsächliche Entzündungen sein, demnach sollten Schmerzen auch immer von einem Arzt überprüft werden. Auch die Infektanfälligkeit ist während einer depressiven Episode erhöht. All diese Probleme sollten nicht nur Symptom bezogen, sondern ganzheitlich behandelt werden, um die Person körperlich und seelisch zu stabilisieren. 

 

Je länger eine Depression andauert, desto stärker wird der soziale Rückzug. Freundschaften können nicht gepflegt werden, an Gesellschaft wird keine Freude mehr empfunden. Jeder Kontakt ist eine Belastung, auch weil das ständige Grübeln (das Gedankenkreisen) Energie raubt und sich ggf. die Denkgeschwindigkeit verlangsamt oder Entscheidungen und Zeitmanagement schwer fallen. Das wiederum kann die Depressionsspirale vorantreiben.

Behandlungsmöglichkeiten einer Depression

Depressionen können erfolgreich behandelt werden. Der entscheidenden Faktoren hierfür sind, die Selbsterkenntnis des Betroffenen sowie die Unterstützung durch die Umgebung. Hinzu kommen die korrekte Diagnose des Schweregrads und schnellstmögliche und dabei kontinuierliche Handlungen im weiten Umfange. Der Depressive bemerkt häufig selbst, dass er ständig "verstimmt und pessimistisch" ist, meist mangelt es ihm jedoch an Hoffnung und Energie, sich selbst Hilfe zu holen. In unserer Praxis empfehlen wir eine Kombination aus psychotherapeutischer Betreuung, homöopathischer Behandlung und kleinen, einfachen Veränderungen im Alltag für eine bessere Lebensqualität.

  • Bewegung: So einfach das klingen mag: Eine Form der unterstützenden Maßnahmen bei Depression ist Sport. Bewegung macht den Körper glücklich. Es werden Glückshormone, Endorphine, ausgeschüttet, welche ab ca. 20 Minuten Bewegung den Körper mit einem Belohnungsgefühl überfluten. Ob Schwimmen, Tanzen, Kampfsport oder Wandern: Jede Bewegung wirkt depressiven Phasen entgegen. Wenn Sport zusätzlich im gesellschaftlichen Zusammenhang stattfindet, erleichtert er eine Wiederaufnahme zwischenmenschlicher Kontakte. Ein weiterer Effekt der körperlichen Betätigung ist das gesteigerte Selbstwertgefühl. "Positive Effekte des Joggings bei Depressionen sind nachgewiesen. Der Effekt war für einen Teil der Testpersonen auch zwei Jahre nach Ende des geführten Trainings noch nachweisbar.[106]", laut Wikipedia. Auch regelmäßiger Sport zuhause ist gegen Depression wirksam.

  • Ernährung: In einer hochdepressiven Phase kümmert sich der Betroffene kaum um seine Ernährung. Dadurch treten zusätzliche Beschwerden auf, wie Bauchweh, Gereiztheit, Müdigkeit und Mangelerscheinungen. Es ist darum sehr wichtig, weiterhin auf gesunde Ernährung und ausreichende Wasserzufuhr zu achten. Kann man sich hierfür nicht ausreichend motivieren, kommt eine Ernährungsberatung in Betracht. Auch mit anderen Menschen zu kochen oder sich zum Essen zu verabreden, kann einem aus dem Tief herausholen und eine stabile Routine bilden. Bei der Ernährung spielt vor allem ein gleichmäßiger Blutzuckerspiegel eine Rolle, der nur durch regelmäßiges Einnehmen der Mahlzeiten - etwa alle drei Stunden - entstehen kann.  Diese Regelmäßigkeit kann dazu beitragen, psychisch stabil zu bleiben. Zu beachten ist auch, dass ein natürliches Hungergefühl nur unter maßvollem Umgang mit Genussmitteln wie Kaffee, Nikotin und Alkohol entstehen kann.

  • Schlafhygiene: Depression wirkt sich auch auf die Qualität des Schlafes aus. Umgekehrt gilt, dass sich eine Optimierung des Schlafes bessernd auf eine Depression auswirken kann. Dazu gehören regelmäßige Schlafenszeiten, der Verzicht auf Monitorlicht am Abend, angepasste Beleuchtung und die Abdunklung der Schlafräume. Lassen Sie beispielsweise ab dem späten Nachmittag Handy und Computer ausgeschaltet, um keine Hiobsbotschaften zu empfangen und sich ohne Sorgen und Ärger auf den Abend vorzubereiten - Monitorlicht suggeriert dem Auge, wach zu bleiben, da es dem Tageslichtspektrum ähnelt. Dämmen Sie mit dem Sonnenuntergang das Licht in der Wohnung und gönnen Sie sich ein beruhigendes Ritual, wie ein warmes Bad, ein entspannendes Hörspiel, Musik oder ein Buch, bevor Sie zu Bett gehen. Wenn Sie dennoch von Grübeln oder Unruhe übermannt werden, schreiben Sie Ihre Gedanken auf, lesen Sie sie mehrmals durch, dann können Sie evtl. besser loslassen und zur Ruhe finden.

  • Meditation: Meditationstechniken beinhalten viele positive Effekte. Man sagt, dass Meditation effektiver sei als andere gezielte Aktivitäten, wie Sport oder progressive Muskelentspannung - das liegt sicher daran, dass hierbei Körper und Geist in eine langanhaltende Ruhe gebracht werden, was die Stresstoleranz erhöht. Man lernt den Gedankenfluss zu kontrollieren und sich von störenden Gedanken zu befreien, die tiefe Atmung gibt ein geerdetes, gesichertes Gefühl, welches Depressiven oft fehlt. Diese Ruhe tragen regelmäßig Meditierende oft den ganzen Tag mit sich. Es reichen am Morgen und am Abend bereits 10 Minuten, um eine Besserung zu bemerken. Je länger und je regelmäßiger meditiert wird, desto wirkungstiefer bleibt die Entspannung.

  • Lichttherapie: Lichttherapie soll eine sehr wirksame Methode sein, bei der Patienten täglich für mindestens 30 bis höchstens 60 Minuten in eine spezielle Lichtquelle schauen. Es wird empfohlen, dies zwei bis vier Wochen jeden Morgen und zwar so rasch wie möglich nach dem Erwachen durchzuführen. Sinn dahinter ist es, den Körper durch das Licht zur Ausschüttung der natürlichen, eigenen Botenstoffe zu stimulieren, die den Biorhythmus korrigieren und die Balance wieder herstellen können. Nützlich ist hierbei wohl auch die Regelmäßigkeit und die Ruhe, die der Patient währenddessen erlangt - eine fast meditative Zeit, die man nur für sich genutzt hat.

  • Selbsthilfegruppe: Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für Therapien, aber sie können eine begleitende Hilfe und einen guten Rückzugsort darstellen. Bei einigen Gruppen ist keine Voranmeldung nötig, sodass Betroffene spontan bei akuten depressiven Phasen vorbeikommen, sich gut aufgehoben fühlen und die Gefühle von der Seele reden können.

  • Psychotherapie: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie. Hier finden regelmäßig Gespräche zwischen Therapeut und Patient statt, in denen sich bewusst mit der Erkrankung auseinander gesetzt wird und krankmachende Faktoren erkannt und verändert werden können. Psychotherapeutische Verfahren sind sehr wirksam, sofern sich der Patient mit dem Therapeuten gut versteht, ihm vertrauen, sich öffnen und auf seine Hinweise hören kann. Man darf hier ohne weitere Kosten mehrere Erstsitzungen mit verschiedenen Therapeut+innen ausprobieren und sollte dieses Angebot auch nutzen, um den oder die Therapeut*in zu finden, mit der*dem man sich wohlfühlt. Folgende Therapien sind möglich: Verhaltenstherapie, interpersoneller Psychotherapie, Gesprächspsychotherapie, Gestalttherapie, CBASP bei stets wiederkehrender Depression und achtsamkeitsbasierte Therapie MBCT.
  • Homöopathie: Auch homöopathisch kann man Depression begleiten. Manche Heilpraktiker und Ärzte haben eine Zusatzausbildung als psychologischer Berater. Auch länger in diesem Beruf tätige, erfahrene Therapeut*innen wissen um die korrekte Behandlung eines Depressiven durch ganzheitliche Homöopathie. Das Gute an Homöopathie ist, dass die ganze Person, mit all ihren Symptomen und differenzierten Modalitäten wahrgenommen und behandelt wird. Neigt der Betroffene zu Migräne? Ist seine Depression am Morgen verstärkt? Verstummt er in Gesellschaft oder redet er viel? Traten die psychischen Symptome z.B. nach einem Abort auf oder liegt eine organische Erkrankung vor? Zwischen 3000 Arzneimitteln wählt der Homöopath jenes, welches dem Körper, dem Geist und dem Gemüt hilft, wieder die innere Balance zu finden, Kraft zu schöpfen und aus eigener Initiative heraus, sein Leben so umzugestalten, dass es ihm besser geht. In der Klassischen Homöopathie werden hierbei sogar genetische Dispositionen beachtet.
    Die zeitintensiven Gespräche und die Flexibilität in der Erreichbarkeit des eigenen Therapeuten sind weitere Pluspunkte, die für eine zusätzlich begleitende homöopathische Behandlung plädieren, selbst parallel zur Einnahme der Antidepressiva. Um durch Homöopathika Nebenwirkungen auszuschließen, können wir ganz klar nur klassische, zertifizierte Homöopathen empfehlen.

  • Schulmedizinische Medikamente: Die Wirksamkeit von Antidepressiva ist stark abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Bei schwerer Depression sind Antidepressiva nützlich. Sie müssen mehrere Wochen nach genauer Anweisung eingenommen und langsam abgesetzt werden. Am bekanntesten sind Selektive Wiederaufnahmehemmer, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen, um die ggf. gestörte Reizweiterleitung zu regulieren bzw. zu normalisieren. Diese Methodik hilft kurzfristig und ist auf lange Sicht keine Heilung von innen, sondern eine Beeinflussung von außen, die je nach Zustand des Patienten kurzfristig nötig ist, um überhaupt eine Zusammenarbeit mit dem Therapeuten zu ermöglichen. Selektive Wiederaufnahmehemmer wirken nicht süchtig machend, aber die Nebenwirkungen sind beachtlich. Jedes Medikament muss über einen längeren Prozess am Betroffenen ausprobiert werden, bis das passende gefunden wurde. Lesen Sie einen ausführlichen Bericht dazu hier. Leider neigen Depressive dazu, die Medikamente nicht regelmäßig einzunehmen. Selbst aufklärende Gespräche über Medikamententreue können unfruchtbar sein.

  • Stationäre Behandlung: Bei hohem Leidensdruck und keiner zufriedenstellenden Reaktion auf Therapien und Psychopharmaka, bei wiederholter (rezidivierender) Depression und insbesondere bei drohendem Suizid ist eine Behandlung in einer psychiatrischen Klinik vorteilhaft. Dies bietet Tagesstruktur, Rückzug, Erholung und die Möglichkeit intensiverer psychotherapeutischer und medizinischer Begleitung. Da hier aber nicht der Umgang mit der Krankheit in der üblichen Umgebung und dem Alltag zu Hause geübt wird, ist mehr als die Hälfte der Entlassenen auch ein Jahr nach Entlassung noch depressiv. Es gibt Tageskliniken, in denen man tagsüber eine intensive Behandlung erhält, nachts aber zu Hause sein kann. Und es gibt Psychiatrische Kliniken, die offene und geschlossene Stationen haben, wobei heutzutage Patienten auch auf geschlossenen Stationen Ausgang haben und am Alltag außerhalb der Klinik teilhaben können.

  • Stimulationsverfahren: Bei langer unfruchtbarer schulmedizinischer Behandlung kommen Stimulationsverfahren zum Einsatz, welche wir kritisch betrachten. (Wir empfehlen die unten aufgelisteten Alltagstipps kombiniert mit klassisch homöopathischer Behandlung und kontinuierlicher Psychotherapie.) "In der Epilepsie-Behandlung fiel auf, dass bei Patienten, die gleichzeitig an einer Depression litten, nach einem epileptischen Anfall auch eine Verbesserung der Stimmung auftrat." laut Wikipedia. Eine Elektrokrampftherapie wird in Narkose durchgeführt, um durch elektrische Stromstöße "eine Stimulation", sozusagen ein Schock, hervorzurufen, worauf sich das Nervensystem wieder "neu organisieren" muss - die Symptome verschwinden aufgrund der Unterdrückung der Lebenskraft kurzzeitig. Auch in der Magnetkrampftherapie werden mittels starker Magnetfelder Krämpfe ausgelöst, sie soll weniger Nebenwirkungen haben als die EKT. Bei der Vagusnerv-Stimulation wird durch eine Art Herzschrittmacher im Abstand von einigen Minuten jeweils kleine elektrische Impulse an den Vagusnerv geschickt. Es besteht noch Unklarheit bezüglich der Wirksamkeit. Es gibt auch die Transkranielle Magnetstimulation, bei der das Gehirn der Patienten durch ein Magnetfeld außerhalb des Kopfes angeregt wird, und die Transkranielle Gleichstromapplikation, wobei ein schwacher elektrischer Strom durch den Schädelknochen hindurch auf das Gehirn einwirkt. Beides erfolgt bei vollem Bewusstsein.
    In unserer Naturheilpraxis lehnen wir diese extremen Eingriffe in das Nervensystem ab und legen Wert auf eine Vermittlung prophylaktischer Lebensweisen und bieten intensiv therapeutische Behandlung, um den Körper mit sanften Methoden anzuregen und nicht zu reizen oder zu überfordern.

Aufklärung hilft, Depression zu erkennen und Suizid zu vermeiden

Der mit der Depressionen einhergehende hohe Leidensdruck und die häufig darauf folgenden Suizidversuche zeigen eindeutig, dass nicht alle Depressionen optimal behandelt werden. Man geht davon aus, dass rund die Hälfte der schwer Depressiven einen Suizid begehen, daher handelt es sich hierbei um eine sehr ernste Störung, die umfassender Therapie, Betreuung und Unterstützung bedarf. Der erste Schritt zum Hausarzt sollte helfen, eine Diagnose zu bekommen, um schnellstmöglich einen Therapieplatz zu beantragen. Die Kosten hierfür werden vollständig von der Krankenkasse übernommen. Direkte Hilfe durch Gespräche können Sie bei Selbstmordgedanken hier auch anonym erhalten.

Was kann man bei Depression tun?

Sind Sie selbst oder ein Angehöriger betroffen? Wir haben für Sie nützliche Tipps gesammelt und raten, nach Möglichkeit eine breite Kombination aus diesen Vorschlägen anzuwenden:

  • Transparenz: Seien Sie ehrlich zu sich selbst und erkennen Sie Ihre Erkrankung an. Erklären Sie Ihrem näheren Umfeld Ihre Situation und dass Sie Unterstützung brauchen.

  • Prioritäten: Setzen Sie Prioritäten - am besten für einen zeitlichen Raum, anhand einer Liste und tun Sie sich dazwischen etwas Gutes. Beauftragen Sie notfalls mit finaziellen Mitteln Andere damit Verantwortung und Entscheidungen aus einigen Ihrer Lebensbereiche zu übernehmen.

  • Licht: Gehen Sie oft spazieren, um Sonne zu tanken, selbst im Winter reichen schon 30 Minuten bewölktes Licht im Freien für Auge und Haut, um die Stimmung zu heben. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung zu Hause oder machen Sie eine Lichttherapie.

  • Sport: "Sport ist Mord"? Manchem graut es davor, doch es gibt unzählige Sportarten, auch solche, die wirklich erfreuen und gut tun können! Wählen Sie die Sportart, die Ihnen wirklich entspricht.

  • Gesellschaft: Eine alte Freundschaft wieder aufleben lassen? Oder mit dem Nachbarn in Kontakt kommen? Eine Selbsthilfegruppe besuchen? Es gibt viele Möglichkeiten, einen verständnisvollen Menschen für einen seelischen Halt an seiner Seite zu haben. Auch wenn es schwer fällt, lohnt es sich, wenn man sich ab und zu ohne Druck unterhalten kann.

  • Tiere: Es mag banal klingen, aber Zeit mit einem (Pflege)Tier zu verbringen, wirkt beruhigend und schafft einem das Gefühl, gebraucht zu werden, ohne überfordert zu sein. Gassi gehen mit dem Hund eines Bekannten oder Hilfe in einem Tierheim leisten - das sind einfache Ansätze, um sich schnell gut zu fühlen und nicht wegen großen Verpflichtungen gleich wieder unter Leistungsdruck stehen zu müssen.
  • Essen: Essen Sie das, was Sie im wahrsten Sinne des Wortes glücklich macht: Frisches Obst, herzhafte Speisen aus anderen kulinarischen Bereichen, ein gutes Stück Fisch oder ein feines Öl auf dem Salat bieten tägliche kleine Freuden. Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten - auch wenn man keinen Appetit hat, sollte zwischendurch ein Joghurt oder eine Banane gegessen werden, um Stimmungstiefen vorzubeugen.

  • Waldbaden: Das Wort klingt so bedeutungsvoll, meint aber lediglich einen Aufenthalt im Wald: das aber alleine, ohne Zeitdruck und großes Ziel. Das Grün der Pflanzen beruhigt uns, die frische Luft dort tut uns gut, die vielen Eindrücke der Natur können im eigenem Rhythmus entdeckt oder mit der quasi heilsamen Stille im Wald ausgeblendet werden.

  • Psychotherapie: Bei einem Psychotherapeuten finden Sie Gehör, Verständnis, eine sichere Routine bzw. Motivation für den Tagesbeginn. Verhaltenstherapie hilft krankmachende Denk- und Verhaltensmuster anzugehen. Tiefenpsychologie hilft beim Aufarbeiten langbestehender Blockaden und ehemaliger Konflikte.
     
  • Selbsthilfegruppen: Private Organisationen und gemeinnützige Vereine bieten Aufklärung und Vernetzung - z.B. die Deutsche Depressionshilfe oder die Deutsche Depressionsliga oder die Telefonseelsorge.  Es werden auch individuelle Beratungen von lokalen Selbsthilfeorganisationen angeboten, sodass man sich durch Menschen in ähnlichen Situationen austauschen und entlastet fühlen kann. 

  • Medikamente: Hier können Sie sich für den homöopathischen oder schulmedizinischen Weg entscheiden oder beides in Kombination nutzen.
    Es ist belegt, dass im Gegensatz zum Drogenkonsum - was oft einer der versuchten Auswege aus der Depression zu sein scheint - Antidepressiva nicht süchtig machen.

Jede Depression braucht ihre Zeit: Einige Wochen, mehrere Monate, ein Jahr oder mehr, in jedem Fall braucht sie Begleitung. Der Betroffene schafft es nicht alleine. Es gibt Wege hieraus und jeder kleine Schritt kann helfen.


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Kommentare: 2
  • #1

    Claudia (Mittwoch, 19 Juli 2017 11:53)

    Toller Beitrag, ich habe hier sehr nützliches gefunden mit den Tipps und Links, und es ist so schön einfühlsam geschrieben... Jetzt kann ich es viel besser nachvollziehen, wie es einem Depressiven geht - ich hab selbst einen im Bekanntenkreis. Traurige Sache...

  • #2

    Rosa von AUDE SAPERE (Sonntag, 23 Juli 2017 16:59)

    Liebe Claudia,
    es freut mich sehr, dass dir unser Blogartikel weiter geholfen hat. Darin sind mehrere Anlaufstellen für Betroffene von Depressiven angegeben, die du sicher praktisch nutzen kannst, um von dieser traurigen Spirale nicht all zu sehr betroffen zu sein und ein bisschen Verantwortung abgeben zu können. Wir wünschen dir und deinem Bekannten alles Gute und sind natürlich für jegliche Fragen offen. Viel Kraft!