Depression: Definition & Behandlung

Depression - Definition - Behandlung

Jeden Dritten "überfällt" sie mehr oder weniger. Liegt die Veranlagung zur Depression in unseren Genen? Kann davon jeder betroffen werden? Ist sie eine gesellschaftlich bedingte Volkskrank-heit oder ein Zeichen "persönlicher Undiszipliniertheit"? 

 

Was genau passiert in Gehirn und Gemüt des Menschen, wenn er depressiv wird und woran erkennt man eine leichte oder schwere Depression?

 

Trotz des freudlosen Themas bieten wir in unserem Blogartikel neben alternativen Behandlungsmethoden auch nützliche Erkenntnisse rund um den Begriff Depression und dem Umgang damit, um Verständnis zu wecken und Handlungsmöglichkeiten  aufzuzeigen:

Definition Depression

Das Wort Depression kommt aus dem Lateinischen von "deprimere: niederdrücken“, was zugleich das grundlegende Gefühl einer Depression beschreibt. Eine Depression sollte ernst genommen und keinesfalls als eine "Laune" abgetan werden. Je nach Symptombild stellt sie eine psychische Störung dar, die einer Behandlung bedarf, denn Depressionen senken deutlich die Lebensqualität des Betroffenen und seinen nahestehenden Menschen. (Mehr zu Ursachen & Sinn einer Depression hier)

 

Jeder von uns kennt das Motivationstief, die Unlust, den Frust oder die Trauer, die Orientierungslosigkeit und den Wunsch nach Ruhe und Rückzug, die mit einer anfänglichen Depression einhergehen. Treten diese Anzeichen zeitweise, z.B. einige Tage oder einige Stunden am Tag auf und findet man sich im Alltag trotzdem weiter zurecht, spricht man nicht von der Depression im pathologischen Sinne. Eine krankhafte Depression dauert durchgehend über 14 Tage an, in der weder Fürsorge für sich selbst noch für andere getragen werden kann: Die Person isst und trinkt wenig, bleibt im Haus, um Kontakte zu vermeiden, hat Schlafprobleme, negative Gedanken (bishin zum Selbstmord) und findet aus sich selbst heraus hier keinen Ausweg aus dieser Lage.

 

Selbst eine leichte Depression, die umgangssprachlich oft mit "schlechter Stimmung" definiert wird, ist nicht zu unterschätzen und zeigt Handlungsnotwenigkeiten auf. Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Laut WHO beträgt die Zahl der von Depression und Angststörungen Betroffenen deutschlandweit derzeit ca. 5 Millionen. Durch den vermehrten Anstieg dieser Anzahl wird sie auch mit verschiedenen gesellschaftlichen Einflussfaktoren in Zusammenhang gebracht (siehe Ursachen und Sinn der Depression). Besonders gefährdet sind Jugendliche, Frauen vor und nach der Geburt und ältere Menschen.

Symptome einer Depression

  • gedrückte Stimmung
  • das „Gefühl der Gefühllosigkeit“, anhaltende "innere Leere"
  • gehemmter Antrieb und Interessensverlust
  • negative Gedankenschleifen, Hoffnungslosigkeit
  • Verlust von Lustempfinden und Freude
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • fehlende Leistungsfähigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit
  • Desinteresse an der eigenen Lebenserhaltung bzw. Gesundheit; Appetitlosigkeit herrscht vor; Magersucht (Anorexie) steht mit Depression im engen Zusammenhang
  • Verlust der affektiven Resonanz: die Stimmung der Person ist durch Zuspruch nicht aufzuhellen
  • Überforderung in Alltagssituationen und tatsächliche Hilflosigkeit
  • diffuse Schmerzen am ganzen Körper; auch Selbstverstüm-melung durch Aufkratzen, -schlitzen, Nägel kauen u.Ä.
  • Reizbarkeit; Ängstlichkeit; Hypochondrie
  • Schlafstörungen, chaotische Schlafenszeiten, Albträume
  • Suizidgedanken oder -handlungen: Schwer Betroffene empfinden oft eine völlige Sinnlosigkeit ihres Lebens

Die verschiedenen Formen einer Depression

  • Dysthymie

  •  Bipolare Störung

  •  Borderline-Persönlichkeitsstörung

  •  Anpassungsstörung

  •  Chronisches Erschöpfungssyndrom

Des Weiteren können durch folgende Umstände Depressionen hervorgerufen werden:

  • Abhängigkeitssyndrom durch psychotrope Substanzen

  •  Erkrankungen der Schilddrüse

  • Anämien, Vitamin-B12-Mangel, Fruktosemalabsorption

Wenn das Leben unerträglich ist - und man sich schämt, dies zu sagen...

Keiner trägt gerne "den Stempel einer Krankheit" auf der Stirn. Bei Depression kommt zusätzlich erschwerend hinzu, dass die Betroffenen teilweise von ihren Mitmenschen das Gefühl vermittelt bekommen, persönlich versagt zu haben oder charakterschwach zu sein. Daher sind Depressionen häufig mit Schuldgefühlen und Scham verbunden. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, hier Aufklärung zu betreiben und zu Verständnis und Toleranz aufzurufen, damit Betroffene und Angehörige es leichter haben, Gehör und Unterstützung zu finden.

 

Der Verlauf einer Depression - von leicht zu schwer:

Zu anfangs treten die niedergedrückten Gefühle schleichend auf, meistens durch einen Auslöser, wie einen Konflikt oder Sorgen. Der Betroffene denkt, wenn er das Problem löst oder die Krankheit, die ggf. hormonell die Stimmung beeinflusst, übersteht, wird es ihm automatisch besser gehen. Mit der Zeit treten Schlafstörungen auf, die Person ist nachts zu lange wach, kommt morgens nicht aus dem Bett. Im Alltag macht sich Unlust breit und jegliches Interesse und Ehrgeiz fehlen, egal, wie sehr andere einen aufmuntern. 

 

Kommen diese Situationen immer wieder oder bleiben sie immer länger, wandelt sich die anfangs leichte zu einer schweren Depression.

 

Bei einer schweren Depression kann der Betroffene in seinem Antrieb so stark gehemmt sein, dass auch einfachste Tätigkeiten wie Körperpflege, Einkaufen, Tele-fonieren oder Abwaschen nicht mehr verrichtet werden können. Die Person be-findet sich in einem ständigen innerem Kampf, der sich mit dem Gefühl von "anhal-tender Leere" abwechselt: Körperlich ist die Person gehemmt, sich zu bewegen. Die Hemmung von Bewegung und Initiative geht paradoxerweise mit innerer Unruhe einher, die sehr quälend sein kann. Der Betroffene sitzt ruhig, scheinbar regungslos da, sein Innerstes ist jedoch vollkommen aufgewühlt, aufgeregt, verwirrt und hin- und hergerissen.

 

Der Schlaf bleibt in Form von vorzeitigem Erwachen gestört, meistens zwei Stunden vor der gewohnten Zeit. Diese Schlafprobleme sind Ausdruck eines gestörten biologischen Rhythmuses. Unabhängig von der Schlafqualität macht der Betroffene oft ein Morgentief durch: Ihm geht es vormittags besonders schlecht. Auch abends tritt eventuell vermehrt ein sogenanntes „Abendtief“ auf. Das heißt, die Symptome verstärken sich gegen Abend und das Einschlafen ist erschwert bzw. unmöglich. Hier zeigt sich die charakterliche Unterschiedlichkeit der Depression, welche in der Behandlung beachtet werden sollte und beispielsweise in der homöopathischen Anamnese präzise erfragt wird. 

 

Des Weiteren kann bei längerem Verlauf das sexuelle Interesse vermindert sein oder ganz erlöschen (Libidoverlust). Dies ist eine entwicklungsbiologisch sinnvolle Reaktion, da in der Phase einer Depression keine Kraft für Vermehrung bzw. Nachwuchs vorhanden ist - jedoch belastet dies den Betroffenen oftmals zusätzlich, weil darunter auch die partnerschaftliche Beziehung leiden kann. 

Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, ein chaotisches Kommen und Gehen der Symptome gehören auch zum typischen Verlauf einer Depression. Diese Schmerzen geben Hinweise darauf, wie dringend es dem Körper ist, Ruhe und Hilfe zu bekommen. Auch die Infektanfälligkeit ist während einer depressiven Episode erhöht.

 

Je länger die Depression andauert, desto stärker wird der soziale Rückzug. Freundschaften können nicht gepflegt werden, an Gesellschaft wird keine Freude mehr empfunden. Jeder Kontakt ist eine Belastung, auch weil das ständige Grübeln (das Gedankenkreisen) Energie raubt und sich ggf. die Denkgeschwindigkeit verlangsamt oder Entscheidungen und Zeitmanagement schwer fallen. Das wiederum kann die Depressionsspirale vorantreiben.

 

Die Behandlungsmöglichkeiten einer Depression

Depressionen können erfolgreich behandelt werden. Der entscheidende Faktor hierfür ist, die Selbsterkenntnis des Betroffenen sowie die Unterstützung der Umgebung. Hinzu kommen die korrekte Diagnose des Schweregrads und schnellstmögliche und dabei kontinu-ierliche Handlungen im weiten Umfange. Der Depressive bemerkt häufig, dass er ständig "verstimmt und pessimistisch" ist, meistens mangelt es jedoch an Hoffnung und Energie, um sich Hilfe zu holen. In unserer Praxis empfehlen wir eine Kombination aus psychothe-rapeutischer Betreuung, homöopathischer Begleitung und leichten, natürlichen Veränderungen im Alltag für eine bessere Lebensqualität.

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Aufklärung hilft Depression zu erkennen und Suizid zu vermeiden

Der mit der Depressionen einhergehende hohe Leidensdruck und die häufig darauf folgenden Suizidversuche zeigen eindeutig, dass nicht alle Depressionen optimal behandelt werden. Man geht davon aus, dass rund die Hälfte der schwer Depressiven einen Suizid begehen, daher handelt es sich hierbei um eine sehr ernste Störung, die umfassender Therapie, Betreuung und Unterstützung bedarf. Der erste Schritt zum Hausarzt sollte helfen, eine Diagnose zu bekommen, um schnellstmöglich einen Therapieplatz zu beantragen. Die Kosten hierfür werden vollständig von der Krankenkasse übernommen.

 

Sind Sie selbst oder ein Angehöriger betroffen?

Wir haben nützliche Tipps gesammelt und raten, nach Möglichkeit eine breite Kombination aus diesen Vorschlägen anzuwenden:

  • Transparenz: Seien Sie ehrlich zu sich selbst und erkennen Sie Ihre Erkrankung an. Erklären Sie Ihrem näheren Umfeld Ihre Situation und dass Sie Unterstützung brauchen.
  • Prioritäten: Setzen Sie Prioritäten - am besten für einen zeitlichen Raum, anhand einer Liste und tun Sie sich dazwischen etwas Gutes. Beauftragen Sie notfalls mit finaziellen Mitteln Andere Verantwortung und Entschei-dungen aus einigen Lebensbereichen zu übernehmen.
  • Licht: Gehen Sie oft spazieren, um Sonne zu tanken, selbst im Winter reichen schon 30 Minuten bewölktes Licht im Freien für Auge und Haut, um die Stimmung zu heben. Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung zu Hause oder machen Sie eine Lichttherapie.
  • Sport: "Sport ist Mord" und manchem graut es davor, doch es gibt unzählige Sportarten, auch welche, die wirklich erfreuen und gut tun. Wählen Sie die Sportart, die Ihnen wirklich entspricht.
  • Gesellschaft: Eine alte Freundschaft wieder aufleben lassen? Oder mit dem Nachbarn in Kontakt kommen? Eine Selbst-hilfegruppe besuchen? Es gibt viele Möglichkeiten, einen ver-ständnisvollen Menschen für einen seelischen Halt an seiner Seite zu haben. Auch wenn es schwer fällt, lohnt es sich, wenn man sich ab und zu ohne Druck unterhalten kann.
  • Essen: Essen Sie das, was Sie im wahrsten Sinne des Wortes glücklich macht: Frisches Obst, herzhafte Speisen aus anderen kulinarischen Bereichen, ein gutes Stück Fisch oder ein feines Öl auf dem Salat bieten tägliche kleine Freuden. Achten Sie auf regelmäßiges Essen, auch wenn man keinen Appetit hat, sollte zwischendurch ein Joghurt oder eine Banane gegessen werden, um Stimmungstiefen vorzubeugen.
  • Psychotherapie: Bei einem Psychotherapeuten finden Sie Gehör,  Verständnis, eine sichere Routine bzw. Motivation für den Tagesbeginn. Verhaltenstherapie hilft krankmachen-de Denk- und Verhaltensmuster anzugehen. Tiefenpsycho-logie hilft beim Aufarbeiten alter Blockaden und Konflikte. 
  • Selbsthilfegruppen: Private Organisationen und gemein-nützige Vereine bieten Aufklärung und Vernetzung, z.B. die Deutsche Depressionshilfe oder die Deutsche Depressionsliga oder die Telefonseelsorge.  Es werden auch individuelle Beratungen von lokalen Selbsthilfeorganisatio-nen angeboten, wenn man sich durch Menschen in ähn-lichen Situationen austauschen und entlastet fühlen möchte. 
  • Medikamente: Hier können Sie sich für den homöopathi-schen oder schulmedizinischen Weg entscheiden oder beides in Kombination nutzen. Es ist belegt, dass im Gegensatz zum Drogenkonsum Antidepressiva nicht süchtig machen.

Jede Depression braucht ihre Zeit: Einige Wochen, mehrere Monate, ein Jahr oder mehr, in jedem Fall braucht sie Begleitung. Der Betroffene schafft es nicht alleine.

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudia (Mittwoch, 19 Juli 2017 11:53)

    Toller Beitrag, ich habe hier sehr nützliches gefunden mit den Tipps und Links, und es ist so schön einfühlsam geschrieben... Jetzt kann ich es viel besser nachvollziehen, wie es einem Depressiven geht - ich hab selbst einen im Bekanntenkreis. Traurige Sache...

  • #2

    Rosa von AUDE SAPERE (Sonntag, 23 Juli 2017 16:59)

    Liebe Claudia,
    es freut mich sehr, dass dir unser Blogartikel weiter geholfen hat. Darin sind mehrere Anlaufstellen für Betroffene von Depressiven angegeben, die du sicher praktisch nutzen kannst, um von dieser traurigen Spirale nicht all zu sehr betroffen zu sein und ein bisschen Verantwortung abgeben zu können. Wir wünschen dir und deinem Bekannten alles Gute und sind natürlich für jegliche Fragen offen. Viel Kraft!