Ursache & Sinn einer Depression

Immer, wenn Körper, Seele oder Geist krankhaft reagieren, ist etwas aus der Balance geraten.

 

Grundlegend ist es doch richtig, wenn man den Sinn und Inhalt seines Lebens von Zeit zu Zeit hinterfragt. Die menschliche Veranlagung, depressiv zu sein, hat wahrscheinlich auch heute noch eine Funktion, die zu wenig Beachtung findet.

 

Entwicklungsbiologisch gesehen, war das depressive Verhalten früher eine natürliche, vorteilhafte Reaktionsweise, die unter den  heutigen Lebensumständen "ungenützt" als Störung zu Tage tritt.

Mehr zu biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Ursachen und dem Sinn von Depressionen gibt es hier:

 

In der Evolutionsbiologie werden das Verhalten und die körperlichen Veränderungen von Mensch und Tier von der Urzeit bis in die Moderne untersucht. Es treten fragen auf wie: "Wann entstand der aufrechte Gang? Was löste die Verfügbarkeit des Feuers im Verdauungssystem der frühen Menschen aus? Warum ist Gähnen und Lachen in der Gruppe ansteckend?" Hierauf werden mögliche oder beweisbare Antworten gefunden. Bezüglich des Gähnens wird vermutet, dass es damals (schon vor der Steinzeit) ein Zeichen dafür gewesen sei, jetzt zusammen schlafen zu gehen - wenn der Anführer gähnte, machten alle dies nach. Das und das Mitlachen demonstrierte die Zusammengehörigkeit, den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe und sicherte überlebenswichtige Sympathien. Ein weiteres Beispiel ist folgendes Thema: "Warum legen Männer meist mit der Schwangerschaft der Frau um die 10kg Körpergewicht zu?" Fühlt sich der Mann als Erzeuger für den Nachwuchs verantwortlich, werden Fettreserven als Sicherheitdepots angelegt, um die Familie auch in einer Notlage gut durchbringen zu können. Diese und ähnliche evolutionären Entwicklungen bezeugen die Logik mancher körperlichen, biologisch-chemischen Reaktionen beim Menschen.

 

Vorher stammt also das depressive Verhalten? Man nimmt an, dass Depressivsein früher eine natürliche, vorteilhafte Reaktionsweise war, die unter unseren heutigen Lebensumständen "ungenützt" nur noch als Störung in unser Leben tritt. Depressive Reaktionen seien wohl einem "Aufgeben, Unterordnen, Anerkennen der Niederlage" entsprungen, an deren Stelle damals ein kurzes niedergeschlagenes Gefühl Raum fand. Während diesen Erschöpfungszustandes, Rückzugs oder der hierarchischen Unterordnung in der Gruppe, wird die Situation akzeptiert und darüber nachgedacht. Der innere Antrieb und die Bewegung wird hormonell stillgehalten, um nicht mehr aktiv in der Gruppe aufzufallen. Im Stillen kann sich eine Neuorientierung entwickeln und hierauf können Ideen und Handlungen folgen.

Erst im Laufe der Zeit, mit unserer weniger triebgesteuerten, mehr urbanen Lebensweise, in der Gefühle und instinktives Verhalten nicht mehr ausgelebt werden, veränderte sich die damals nützliche niedergedrückte Reaktion zu einem dauerhaften Stimmungseinbruch, der je nach Schwere, keine darauffolgende Lebensveränderung, bzw. -optimierung mehr nach sich ziehen kann.

 

Einfach machen, was man möchte? Das geht in unserer Gesellschaft meistens nicht.

Wir haben Verantwortung, Ziele, Karriere, Kinder... Inzwischen spricht man bei der Depression von einer Volkskrankheit.

Intuitiver Richtungswechsel wird uns im Schulunterricht nicht beigebracht. Es wird gelehrt, seinen natürlichen Willen zu unterdrücken, still zu sein, pünktlich und anwesend zu sein, auch wenn man das nicht möchte oder den Sinn dahinter nicht sieht. Auch der Lerndruck ist in den letzten Jahrzehnten enorm angestiegen und damit der zu beobachtende Anstieg der Krankheitslast durch das in allen Lebens-bereichen umgreifende Konkurrenzgefühl. Die heutige Jugend steht wie keine andere Generation zuvor unter Druck. Selbst im Freundeskreis muss man cool und nicht gefühlvoll 'rüber kommen. In den Social Media sind oberflächliche Fotos angesagter, als ein nachdenkliches Bild.
Diese Art der sozialen Kontakte oder des Lebensumfeldes ist weder gesund noch befriedigend und kann zu den erhöhten Zahlen der vorkommenden Angstörungen und Depressionen bei Jugendlichen beitragen. Wenn sich in der Kindheit oder Jugend bereits die Tendenz zu Depressionen zeigt, ist man als Erwachsener ebenfalls dafür affin. Im Erwachsenenleben bleiben wir durch unsere Erziehung häufig weiterhin konform und brav und regen uns nicht auf, wenn wir uns schlecht behandelt fühlen. Während der Arbeit wird dann beispielsweise in der Pause geraucht, um die Nerven zu beruhigen, am "Feierabend" Alkohol getrunken und die Lebensfreude wird reduziert auf den bezahlten Urlaub zweimal im Jahr - wenn man ihn sich leisten kann. 

Ist es unter diesen Umständen nicht kein Wunder, dass so viele Menschen von leichter bis schwerer Depression betroffen sind? Die Symptome treten schleichend auf, der Frust häuft sich über Jahre an und er wird meistens unterschätzt oder medikamentös unterdrückt.

 

Bei einer depressiven Phase geht oftmals ein Ereignis voraus, das den Menschen tief erschüttert hat. Sie ist also eine (bio)logische Reaktion auf eine besondere Situation im Leben:

  • Hormonumstellung (z.B. bei Pubertät, Schwangerschaft, Klimakterium)
  • Verlust einer geliebten Person (durch Scheidung, Todesfall)
  • Existenzangst (bei Jobverlust, Geldsorgen, Schulden)
  • Symptome (durch schwere Erkrankung, wie Schilddrüsenerkrankung, Krebs)
  • Unzufriedenheit (durch ungerechte Behandlung, blockierte Umsetzung von Plänen, unterdrückte Bedürfnisse und Potentiale)
  • Sinnsuche (durch Konfrontation mit Krankheit, Tod, Unfall, Naturkatastrophe, Krieg)

Eine vom Schicksal getroffene Person steht mitten in einem Lebenswandel und muss vieles bisher gewohntes, übliches hinterfragen, neu organisieren und sich gegebenenfalls neu orientieren. Diese ungewohnte Anforderung raubt dem Körper Kraft und schwächt den gesamten Antrieb. Oftmals fühlt man sich dieser Situation nicht gewachsen und hat nicht das Gefühl, Kontrolle behalten zu können oder wirksam genug zu sein. Führt diese Phase der Sinnsuche oder einer neuen Orientierung nicht schnell zum Erfolg bzw. zur Entlastung, fühlt sich die Person logischerweise "niedergeschlagen".

 

(Moralisch verwerfliche) Tierversuche mit Ratten haben gezeigt, dass sie depressives Verhalten entwickeln, wenn sie unkontrollierbaren Stromstößen ausgesetzt sind, an denen sie, egal wie sie sich verhalten, nichts verändern können. Haben sie jedoch die Möglichkeit durch eine Bewegung, Positionswechsel oder einen Knopfdruck auf die Stromstöße einzuwirken, entwickeln sie keine "Depression".

 

Leider wird diesen, wie ich sie nenne, Neuorientierungsphasen häufig zu wenig Zeit, Raum und Gespräche gewidmet, sie werden in der Routine des Alltags übergangen oder manchmal gar nicht wahrgenommen. Zeigen sich Symptome wie Müdigkeit, Migräne, Aggressionen, Traurigkeit, Bluthochdruck oder Tinitus werden sie auch mittels Medikamenten unterdrückt, sodass die ursprüngliche Kraft der Depression, nämlich das Sich-Zurückziehen und das Philosophieren, gar nicht zum Ziel führen kann. Anstatt an einer selbstbestimmten Lösung zu feilen, bleiben wir im Ansatz blockiert und negative Gedankenschleifen oder die gedrückte Stimmung bleibt zurück, weil wir versuchen, weiter zu funktionieren und nicht auf unsere inneren Bedürfnisse hören und ihnen nachgehen können.

  

Der krankmachenden Alltagsspirale entfliehen, ist leichter gesagt, als getan:

Smartphone, Laptop, Tablet, ständig erreichbar sein? Um Ruhe und Selbstbestimmung im Alltag zu integrieren, sollte man regelmäßig offline sein, die Geräte ausschalten und spazieren gehen, die Kleinigkeiten im Leben genießen, sich etwas Gutes zu essen gönnen, die Natur genießen - denn das satte Grün der Blätter wirkt beruhigend auf uns, die Weite der Natur hilft uns mit weniger zwischenmenschlichen Kontakten konfrontiert werden zu müssen...

Hat man wirklich seinen Tag, seine Woche, seinen Monat nach den eigenen Prioritäten gelebt? Oder sind doch wieder andere Dinge oder Menschen dazwischen gekommen - und am Ende wurde alles erledigt, nur nicht das, was man eigentlich braucht(e)? Oder wurde davon "nur" die Hälfte erledigt und Druck von allen Seiten wächst zusätzlich mit dem inneren Druck, noch effektiver sein zu wollen? 

Eine Prioritätenliste kann helfen diese Lebenssituation zu durchbrechen. Dabei kann man sich auf einen Tag beschränken oder eine Woche, einen Monat oder das ganze Jahr über Ziele planen und sich dabei fragen: "Was ist mir wirklich wichtig? - heute? - nächste Woche?" Die Reihenfolge der Wichtigkeiten innerhalb des Plans hilft weiter zu differenzieren. So sieht man wesentlich klarer, was einem gut tut und nicht untergehen darf. Dadurch kann man entschiedener und erfolgreicher Entscheidungen treffen und vor anderen (z.B. Familienmitgliedern) selbstbewusst seine eigenen Bedürfnisse vertreten.

 

Eine Depression ist eine normale Krankheit, so unnormal man sich dabei auch fühlen mag.

 

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff "depressiv" oftmals für eine Verstimmung verwendet und daher mit der Depression im medizinischen Sinne verwechselt. Es ist eine ernste, behandlungsbedürftige Erkrankung, da der Betroffene sich der Wirkung der Depression auch mit Selbstdisziplin schwer entziehen kann. Die Folge davon ist in ganz Deutschland vermehrte Arbeitsunfähigkeit, Frühverrentung oder Selbsttötung. 

Häufig nennt der Betroffene als Ursache beispielsweise schon sehr lange bestehende Konflikte. Er nimmt an, dass wenn diese behoben seien, er wieder vollkommen gesund werden würde. So einfach ist das jedoch leider nicht. Die Ursachen sind meist vielfältig und sind durch die eigenen Erlebnisse geprägt und (fast) festgefahren. Ist eine depressive Phase eventuell abgeklungen, lebt man quasi beschwerdefrei weiter bis die nächste größere Belastung auftritt und die depressiven Symptome wieder zu Tage treten. Das zeigt, dass es mehr ist als nur ein Stimmungstief, es ist die Tendenz über längere Zeit, auch ohne Selbstdisziplin, diesem Gefühl der inneren Leere, Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit ausgesetzt zu sein.

 

Durch den mit Depression oftmals einhergehenden ungesünderen Lebensstil leiden die Betroffenen vermehrt an Folgen von Rauchen, Bewegungsmangel, Ernährungsfehlern sowie Über- oder Untergewicht. Die Depression ist ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Herzkrankheit und Veränderungen in der Hormonregulation, im Immunsystem und in der Homöostase. Bei einigen Betroffenen, die eine Diagnose vom Arzt erhalten, wird sich nur auf die organischen Fakten beschränkt und die Depression gar nicht erkannt - dies würde jedoch die Heilungsaussichten erhöhen. Um die Erkennung einer Depression wahrscheinlicher zu machen, gilt es Aufklärung und Prävention zu betreiben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat den „Schutz der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung“ zu einem Hauptziel der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie ab 2013 erhoben, um Versorgungslücken oder die lange Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken. Alternativ kann eine homöopathische Therapie die Depression und deren Symptome sanft begleiten, bis ein guter Psychotherapeut gefunden ist.

 

Inwiefern Nervenbotenstoffe mit Depression zusammenhängen

Unser Körper besitzt einen komplizierten Regulationsmechanismus, der für unsere Gefühle verantwortlich ist und unseren inneren Antrieb steuert. Er besteht aus einem stetigen Wechsel von Hormonen, Botenstoffen und Reizen. In der Schulmedizin geht man davon aus, dass bei Depression die Reizweiterleitung zwischen den Nervenzellen (des Gehirns) gestört ist und somit im Körper extreme Schwankungen von Gefühlen wie Freude, Lust und Traurigkeit oder auch das Fehlen von Appetit auftreten. In der homöopathischen Sicht wird noch weiter gedacht: Warum ist das Regulationssystem bzw. die Reizweiterleitung gestört? Solange die in Frage kommenden Organe nicht funktionslos sind oder operativ entfernt wurden, stehen sie in Reaktion mit dem gesamten Körper und sind daher kein "Fehler oder Problem", das durch Medikamente überbrückt werden müsste, sondern ein Ort, an dem sich die Erschöpfung der Lebenskraft äußert. Der homöopathische Arzt bemüht sich daher, die gesamte innere Kraft des Organismus anzuregen, sodass das "nicht funktionierende Organ" den Hormonhaushalt und die Reizweiterleitung wieder von selbst ins Gleichgewicht bringen kann. Dabei weiß der Homöopath, dass der erschöpfte Organismus, solange "fehlerhaft" reagiert, bis auch die Probleme des Alltags bzw. die vorliegende Erkrankung nicht mehr die Lebenskraft schwächen. In der homöopathischen Therapie wird folglich der Patient durch die Arznei unterstützt, ins körperliche Gleichgewicht zu finden und zeitgleich eine mentale Stabilität zu entwickeln, die langfristige positive Veränderungen für die eigene Lebensqualität nach sich ziehen.

 

Biologische und gesellschaftliche Ursachen einer Depression

Da Depressionen sehr komplexe Ursachen haben, ist die Liste der Ursachen ziemlich lang. Auffällig ist jedoch, dass im Durchschnitt Frauen im Verhältnis zu Männern zweimal häufiger davon betroffen sind. Tritt die Depression sehr früh im Leben oder durch eine Depression im Elternhaus auf, bleibt die Tendenz depressiv zu reagieren ein Leben lang. Gesellschaftlich müsste man diesen Tatsachen durch Entlastung der Frauen, der Familien und weitere Unterstützungen für eine schöne, stabile Kindheit entgegen wirken.

 

Ausmaß der Genetik/Erblichkeit bei Depression

Laut Wikipedia ergab eine Studie darüber, ob die Tendenz depressiv zu reagieren, erblich weiter gegeben wird, dass diese Wahrscheinlichkeit zu 30% besteht. Doch "selbst bei identischer genetischer Ausstattung (eineiige Zwillinge) erkrankt der Zwillingsparter des depressiven Patienten in weniger als der Hälfte der Fälle". Dies zeigt, dass obwohl - wie bei jeder Krankheit - die Gene der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern eine zentrale Rolle spielen, die Depression nicht nur darauf zurück zu führen ist. Bei nachträglichen (epigenetischen) Veränderungen im Leben hat die Lebensgeschichte einen erheblichen Einfluss auf die Steuerung der Erbinformation. Dies nennt man Gen-Umwelt-Interaktion. Die Gene bestimmen teilweise unseren Charakter und können bedingen, dass ein Mensch sich durch bspw. eine größere Risikobereitschaft häufiger in schwierige Lebenssituationen begibt oder, ob ein Mensch eine psychosoziale Belastung bewältigt oder depressiv erkrankt. Hier unterscheidet sich jeder Mensch in seiner Resilienz (Widerstandskraft) und dem Vulnerabilitätsfaktor (Empfindlichkeit der Verletzlichkeit). Belastende Ereignisse wie Armut können individuell Depressionen auslösen.

"Das Gen befindet sich auf dem Chromosom 17q11.1–q12. Es kommt in der Bevölkerung in unterschiedlichen Formen vor. Träger des kurzen Allels reagieren empfindsamer auf psychosoziale Stressbelastungen und haben damit ein unter Umständen doppelt so großes Risiko (Disposition), an einer Depression zu erkranken, wie die Träger des langen Allels.[33]" (Wikipedia)

Depression im Elternhaus

Leider wirkt sich eine Depression eines Familienmitglieds auf die heranwachsenden Kinder aus, egal in welchem Alter sie sich befinden. Depressive Eltern sind angespannter und weniger verspielt, sie interagieren wenig mit den Kindern und können das Kind selbst weniger bestätigen oder emphatisch sein. Elterliche Depression ist daher ein Risikofaktor für zahlreiche Probleme bei Kindern, sie tendieren später eher zu Depressionen. Hier ist es wichtig, dass das Kind häufig mit anderen nicht depressiv erkrankten Menschen zu tun hat, um nicht allzu sehr die Muster des erkrankten Familienmitglieds übernehmen zu müssen, sondern alternative Verhaltensvorbilder kennen zu lernen. Wird das Kind mit einem Depressiven zu lang allein gelassen, ist das Kind stets dieser unzufriedenstellenden Situation ausgeliefert und führt es auch teilweise auf sein eigenes Unvermögen zurück. Sind Mutter oder Vater depressiv möchten Kinder auch teilweise dem Elternteil helfen und parentifizieren (übernehmen die Rolle der Mutter oder Vater) viel zu früh. 

Erlernte Hilflosigkeit

Studien haben auch gezeigt, dass Personen, die einer Situation ausgeliefert sind, die sie durch eigenes Zutun nicht verändern oder entrinnen können, depressiv werden. Dies nennt man auch erlernte Hilflosigkeit. Können Personen einem unangenehmen Ereignis entfliehen oder es beenden oder es wenigstens beeinflussen, reagieren sie nicht depressiv. Dem Menschen ist es wichtig, eine Situation kontrollieren zu können, gerät sie außer Kontrolle entsteht Angst. Alle Angststörungen besitzen die Gemeinsamkeit, dass die Personen ihre Angst nicht oder sehr schlecht kontrollieren können, was zu Hilflosigkeits- und im Verlauf der Störung auch zu Hoffnungslosigkeitserfahrungen führt. Diese wiederum sind ursächlich für die Entstehung von Depressionen. Eine existenzbedrohende Situation wie Armut, Elternlosigkeit oder Tod einer geliebten Person, lässt einen in diese unabänderliche Situation geraten. Hat man gelernt, dass das eigene Verhalten nichts zur Besserung des Problems beitragen kann, entsteht Angst, Hoffnungslosigkeit: Depression.

Jahreszeitlich bedingte Depression

Jeder Tag beginnt mit dem Sonnenlicht. Folglich reagieren wir Menschen empfänglich für die Wirkung der Sonnenstrahlen. Erhalten wir zu wenig Sonnenlicht, leidet unser Körper einen Mangel oder denkt schlicht, es sei Winter. In dem letzteren Falle, schaltet sich der Stoffwechsel herunter, um Energie zu sparen, wir werden antriebslos und müde, da im Dämmerlicht das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet wird. Auf Dauer fehlt uns mit wenig Sonnenlicht lebenswichtiges Vitamin D, das dann wiederum unsere Lebenskraft schwächen würde. Daher ist die sogenannte Winterdepression gar nicht selten. Sie ist durch Lichttherapie und mehr Sonnenschein eine der am einfachsten behandelbaren Depressionen.

Infektionen

Chronische (andauernde) Infektionen können Depressionen auslösen. Dies nennt man auch "sickness behaviour" = Krankheitsverhalten. In der Homöopathie ist schon lange bekannt, dass sich bei einigen Krankheiten bzw. bei schweren Infektionen, begleitende Symptome wie Niedergeschlagenheit, Apetitlosigkeit, Libidoverlust oder gefühlte Sinnlosigkeit auf den ganzen Körper auswirken. Jede Erkrankung wirkt auf der körperlichen, seelischen und geistigen Ebene und je nach Schwere oder Dauer entstehen hierbei Depressionen.

Wirkungen einiger Substanzen

Depressionen können durch die Einnahme oder das Absetzen von Medikamenten oder psychotropen Substanzen verursacht werden. Am häufigsten verursachen Glucocorticoide, Interferone, Antibiotika, Neuroleptika, Sexualhormone und Betablocker depressive Symptome. Auch im Kraftsport führen anabole Steroide zu drogenartigen Wirkungen (Doping). Das Absetzen der Anabolika, Drogen, Medika-mente führt dann zu Entzugserscheinungen (Drogenentzug).  Die Unterscheidung zwischen einer substanzinduzierten Depression und einer von Medikamenteneinnahme unabhängigen Depression kann schwierig sein, hierbei ist eine ausführliche Anamnese (Fallaufnahme der Krankheitsgeschichte) wichtig.

Neurobiologische Gründe

Die Nervenzellen unseres Gehirns sind mit einander nicht verbunden, zwischen jeder Gehirnzelle ist eine kleine Lücke, in der die Übermittlung von Nervenbotenstoffen stattfindet. Eine Zelle gibt einen Neurotransmitter (wie Serotinin, Dopamin, Noradrenalin) ab und die andere Zelle empfängt diesen über den Rezeptor. Funktioniert ein Nervenbotenstoff-Transport oder ein Rezeptor nicht, wird die Signalübertragung gestört und "Fehlverhalten" wie Stimmungstief, Emapthielosigkeit o.Ä. kann entstehen. Selten jedoch gibt es eine "einfache Blockade im Gehirn", meistens reagiert der Körper (bio)logisch auf sein Umfeld und die Signalübertragungsstörung hat einen Sinn. Die gegenseitige Beeinflussung der Neuronen (Nervenzellen) ist hochkomplex, daher sprechen nicht alle Depressiven ausreichend oder gleichartig auf Medikamente an. 

Kognition und emotionale Intelligenz

Kognition (Wahrnehmung, Denken, Informationsverarbeitung) kann die Realität eines Depressiven verzerren. Muster, Einstellungen oder Überzeugungen, die durch (negative) Lebenserfahrungen ausgelöst wurden, fließen in die Wahrnehmung und Bewertung mit ein. Hierbei kann es zu pessimistischen Sichtweisen von sich selbst, der Welt und der Zukunft führen (negative Triade) kommen. Typische für kognitive Verzerrungen sind bspw. willkürliche Schlüsse, selektive Abstraktion, Übergeneralisierungen und Über- oder Untertreibungen. Diese verzerrende Realitätssicht verstärkt rückwirkend und verfestigt die Wahrnehmung. Unklar ist jedoch, ob kognitive Fehlinterpretationen die Ursache der Depression darstellen oder ob durch die Depression kognitive Fehlinterpretationen erst entstehen. Auch die emotionale Intelligenz spielt eine Rolle bei der Wahrnehmung. Jugendliche zeigen eine Tendenz, Wahrnehmungen negativ, also depressionsverstärkend, zu interpretieren. Des Weiteren fehlt Heranwachsenden ein solides Können in der Handhabung zwischenmenschlicher Beziehungen - mit ihren Eltern, der Peergroup oder später dem Sexualpartner. Kinder, die depressive Neigungen haben, kognitiv oder emotional noch nicht sehr herangereift sind, ziehen sich bereits in sehr jungem Alter zurück, weichen Sozialkontakten aus und verpassen dadurch soziales Leben und Lernen. Hier wirken einfühlsame, geduldige, kontinuierliche Kontakte Depression entgegen. Das Kind braucht Förderung, Bestätigung und keine Überforderung im sozialen Kontakt.
Das eigene Denken kann durch Resilienz, psychische Widerstandsfähigkeit, trainiert und ins eigene Leben besser eingebracht werden. Verhaltenstherapie hilft die Fähigkeit zu erlernen, Krisen entspannter zu bewältigen und auch bei Rückfällen nicht in das eigene typisch depressive Muster zu fallen. Denn je nach Vulnerabilität (Verletzbarkeit) der Person, reagiert man leicht emotional, verwundet und mit psychischen Störungen - z.B. impulsiv, aggressiv, ängstlich, gehemmt.

 

Den Lebensumständen entspringende Depression

Ungünstige Lebensumstände, wie etwa Arbeitslosigkeit, körperliche Erkrankung, geringe Qualität der Partnerschaft, Verlust einer geliebten Person, können eine depressive Episode auslösen, sofern die genetische Disposition besteht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass, nachdem bereits einmal eine depressive Episode mit Störung der Neurotransmitter aufgetreten war, der Weg für erneute depressive Episoden gebahnt ist (siehe Genetik, Elternhaus). Hier besteht oftmals die Hoffnung, dass nach Auflösen langer bestehender Konflikte oder Probleme alles "wieder gut" sein würde. Meistens bleibt die Depression jedoch eine Belastung, die bei erneuten schwierigen psychosozialen Faktoren auftritt.

Auch frühe Traumata können spätere Depression bedingen: Da bei Kindern vor dem zehnten Lebensjahr das Gehirn noch nicht reif genug ist, bilden sie bei einem Trauma nicht eine Posttraumatische Belastungsstörung aus, sondern zeigen in ihrem späteren Leben unter psychischen Belastungen eine schwere Depression.

Menschen mit einem kleinen und wenig unterstützenden sozialen Netzwerk werden besonders häufig depressiv. Gleichzeitig haben Menschen, die erst einmal depressiv geworden sind, Schwierigkeiten, ihr soziales Netzwerk aufrechtzuerhalten. Sie sprechen langsamer und monotoner und halten weniger Augenkontakt, zudem sind sie weniger kompetent beim Lösen interpersonaler Probleme.

Bei psychosozialen Faktoren haben Frauen mit Kindern ein besonders hohes Risiko für Depressionen, wenn sie keine umfassende Unterstützung erfahren. Auch mangelnde soziale Anerkennung (der Mutterschaft, Vaterschaft) gilt als großer psychosozialer Stressfaktor. Sie können in der Arbeitswelt, aber auch im privaten Alltag (z. B. in Partnerbeziehungen) als Folge eines erlebten Ungleichgewichtes von wechselseitigem Geben und Nehmen auftreten. Das belastende Gefühl bleibt, "sich für etwas engagiert oder verausgabt zu haben, ohne dass dies gebührend gesehen oder gewürdigt wurde" (siehe auch Burnout). Diese Krisen sind ernstzunehmend, denn sie werden mit dem Gefühl des Ausgenutztseins verbunden und führen zu heftigen negativen Emotionen, wie Selbstwerteinbußen und Rückzug und verstärken die Depressionsspirale.

 

Hormone (Pubertät, Schwangerschaft) und die kulturellen Hintergründe

Nach einer englischen Studie sind circa 10 Prozent aller Frauen von Depressionen während der Schwangerschaft betroffen. (Quelle Wikipedia) Eine herabgesetzte Stimmung, der nicht Trauer, sondern eher dem Gefühl wie „innere Leere“ gleicht, „Verzweiflung“ und „Gleichgültigkeit“ sind typische Zeichen dafür. Zusätzlich machen sich psychosomatische Beschwerden breit und werden oft von schwangerschaftstypischen „Themen“ beeinflusst. Dies können etwa Befürchtungen in Bezug auf die Mutterrolle oder die Gesundheit des Kindes sein, was oftmals das Selbstwertgefühl niederdrückt. 

Das bekannte Stimmungstief der Mutter nach einer Geburt („Baby-Blues“) wird in der Fachliteratur überwiegend auf hormonelle Ursachen zurückgeführt. Diese mit ungefähr 10 bis 15 Prozent auftretende sogenannte postnatale Depression wird aber auch mit großen sozioökonomischen Unterschieden in Verbindung gebracht wurde. So war die Häufigkeit in Singapur, Malta, Malaysia, Österreich und Dänemark sehr gering, dagegen in Brasilien, Guyana, Costa Rica, Italien, Chile, Südafrika, Taiwan und Korea sehr hoch - wo das "Idealbild Frau" und damit der Druck auf sie üblicher sind.  Die Symptome können Niedergeschlagenheit, häufiges Weinen, Selbstzweifel, Angstsymptome, Grübeln über die Zukunft, Antriebsminderung, Schlafstörungen und lebensmüde Gedanken umfassen.  

 

"Warum überhaupt leben? Alles ist so mühsam." Wie fühlt es sich an, depressiv zu sein?

Erfahrungsberichte zweier Patienten, die anonym bleiben möchten:

Patientin 1: "Zwei Monate nach meinem Umzug verstarb plötzlich mein Chef und einen Monat darauf sein kleiner Sohn. Nach vier Monaten wurde die Firma geschlossen und ich war erstmals in meinem Leben arbeitslos, was für mich neben der finanziellen Einbuße einen Makel bedeutete. Beim Arbeitsamt sagte man mir, in meinem Alter sei ich „schwer vermittelbar". 

Da bekam ich das erste mal Schlafstörungen, da wird das Nichtschlafenkönnen zur Qual. Die Ängste sind riesengroß. Alles ist so schlimm, dass man glaubt, es nicht mehr ertragen zu können. Man kann nicht lesen, es ist sowieso alles sinnlos. Mir hat etwas geholfen, aufzustehen und zu schreiben. Aber manchmal gelang auch dies nicht.

 

Angst kriecht den Rücken hoch, ich kann mich nicht mehr für irgendetwas entscheiden, kann mich schwer konzentrieren, ja ich bin unfähig, Kleinigkeiten zu erledigen und kann mich schließlich nicht mehr selber versorgen. Da ist es z.B. vorgekommen, dass ich mir vornahm, ich will Brot kaufen. Es kostete Mühe, überhaupt zum Bäcker zu gehen. Dann stand ich im Laden und ließ erst mal alle Leute vor. Was sollte ich nur für ein Brot nehmen. Roggen oder Sonnenblumenbrot, Weizen oder Mischbrot? Mein Gott, was nehme ich bloß, gleich komm ich an die Reihe. Aber bevor es so weit war, drückte ich mich durch die Ladentüre wieder hinaus. Ich konnte mich nicht entscheiden.

 

Als Auslöser für die zweite Depression würde ich „Überforderung" nennen. Ich neige dazu, mich zu überfordern, will alles perfekt und gut machen, meine alles können zu müssen und alles zu schaffen. Durch Verhaltenstherapie konnte ich das inzwischen einwenig besser einschätzen und eindämmen: Ich habe gelernt wie viel ich mir zumuten kann und bin heute auch bereit meine Belange zu vertreten und durchzusetzen - ohne schlechtes Gewissen."

 

 

Patientin 2: "Ich fühle mich in der Depression insofern schuldig, als ich glaube, undankbar zu sein. Anstatt zu jammern, weil es mir so schlecht geht, müsste ich mich eigentlich freuen, dass ich keine Sorgen habe und in so vielen glücklichen äußeren Umständen lebe. Aber die Freude gelingt mir nicht, was mir wiederum Schuldgefühle macht. „Selber schuld an der Depression." Die Krankheit Depression ist so schlimm, dass man glaubt, es wäre eine Lösung, eine Er-lösung tot zu sein, nichts mehr zu spüren. Damit unterscheidet sich die Depression von anderen Krankheiten. Während man bei übrigen Krankheiten wieder gesund werden möchte, will man in der Depression nur noch sterben, damit es endlich vorbei ist.

 Zum einen sind Menschen in einer Depression verdammt anstrengend. Sie reden oft viel und lange von sich selber und ihrer Krankheit. Alles dreht sich um die Befindlichkeit. Oder sie sagen gar nichts. Wer hält das als Zuhörer schon aus? 

Ein anderer Grund ist eine gewisse Hilflosigkeit. Man will helfen und weiß nicht wie. Da lindert kein Wadenwickel oder guter Zuspruch. Alles scheint ins Leere zu gehen. Nur wenigen gelingt es, das Richtige zu sagen, zu tun. Nur wenige gute Freunde haben den langen Atem.

So wie Verliebte alles durch eine rosa Bille sehen, sind die Gläser der Depressiven grau gefärbt. Die wunderschönen Blumen im Garten habe ich nur als Belastung gesehen, das Unkraut schien mir über den Kopf zu wachsen. Ich hasste sonnige Tage, weil ich nicht über das schlechte Wetter jammern konnte.

 

Am liebsten waren mir die Menschen, die mich samt meiner Depression angenommen haben. Die nicht versuchten, mir die Krankheit auszureden, als wäre eine Depression eine eingebildete Krankheit. Noch erschwert haben meinen Zustand gutgemeinte Ratschläge, die meist damit begannen: „Du musst nur", „versuch doch mal", „du sollst", „du darfst" und „du darfst nicht" und die alle mit Zusammenreißen, einen Tritt in den Hintern geben, sich nicht hängen lassen oder dem Rat nach einer Urlaubsreise endeten.

Ich war in der Regel zu schwach mich dieser Ratschläge und der Besserwisserei zu erwehren. 

Viel mehr geholfen haben mir da ganz praktische Angebote. Gerade z.B. die Begleitung zum Arzt, oder die Hilfe bei der Versorgung, jemand der für mich einkauft, mich zu einem Frühstück oder einem Essen einlädt. Mir hat am meisten geholfen, daran zu denken, dass ich weiter leben möchte, um zu erleben, wie es ist, wieder gesund zu sein!


 

Am Ende zählt die Erkenntnis, die Depression wahrzunehmen und dadurch einen guten TherapeutIn aufzusuchen - oder mehrere Therapievarianten für eine längere Begleitung im Leben zu akzeptieren. Das familiäre Umfeld sollte dazu informiert werden, damit der Betroffene eine aufrichtige Unterstützung erhalten kann. Vorerst Abstand von weitreichenden Entscheidungen wie Wohnungswechsel, Kündigung der Arbeit, Trennung, Scheidung zu nehmen, hilft, nicht zu viel Verantwortung zu tragen. 


Ihre Situation ist nicht ausweglos, das scheint nur so in der Depression. 

Das Leben hat noch viel Schönes für Sie bereit!

 

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