Megatrend Fastenkur: Fasten für die innere Reinigung - Mythos oder Realität?

Diät, Fasten, Kur, Abnehmen, Detox, - der Blog über gesunde Lebensführung - Praxis Thielmann

Es ist äußerst begrüßenswert, dass viele Menschen inzwischen gesundheitsbewusster werden und ihrem Körper bspw. durch regelmäßigen Sport, ganzheitliche klassisch homöopathische Behandlung und bewusste Ernährung etwas Gutes tun möchten.

"In meiner Praxis höre ich mittlerweile immer öfter das Bedürfnis der Patienten, eine Reinigung vollziehen zu wollen. Die Arten der Reinigungen, die meinen Patienten von manchen "Heilern", Therapeuten oder Spezialisten verkauft werden, sind in den meisten Fällen absolut fragwürdig.", sagt Gudrun Thielmann.

Was hilft dem Körper wirklich, um von innen heraus fit zu sein? Und was tut er tagtäglich, um Schadstoffe auszuscheiden? 
Ein Interview mit Heilpraktikerin Gudrun Thielmann:

Der Wirkungsgrad von Fastenkur, Entschlackung oder Detox

AUDE SAPERE (A): "Frau Thielmann, Fasten ist der freiwillige und bewusste Verzicht auf Nahrungs- oder Genussmittel in einem bestimmten Zeitraum. Früher war das eigentlich der Ausdruck einer religiösen Tradition, z.B. des Juden-, Christentums oder Islams. Wie kommt es, dass das "Heilfasten" inzwischen wieder zum Trend wird?"

Gudrun Thielmann (G): "Meistens geht es darum, dass die Fasten-Interessierten Symptome und Beschwerden haben, die sie glauben auf diesem Wege mildern zu können oder es geht ihnen schlicht um die Figur: Sie wollen abnehmen."

 

A: "Wie schätzen Sie den Wirkungsgrad des Fastens ein? Kann man dadurch gesünder oder schlanker werden?"

G: "Ich denke, man würde gesünder werden, wenn man die ungesunden Nahrungsmittel permanent weglassen würde, weil das Fasten keinen positiven Effekt haben kann, wenn man hinterher genauso weiter lebt wie vorher. Auch die Abnehmerfolge sind nur von kurzer Dauer, da der Körper in den ersten Fastentagen oder -wochen hauptsächlich Wasserspeicher reduziert und nicht das Fett verbrennt - was allgemein als Jojo-Effekt bekannt ist. Zusätzlich erfährt der Körper eine Art Schock: Er setzt das Fasten mit einer Hungersnot gleich, was die Fettzellen alarmiert, bloß nicht zu schnell das gesparte Fett abzubauen. Je öfter man den Körper einer solchen radikalen Situation ausliefert, desto hartnäckiger hält er am Fett fest. Kontinuierliche, regelmäßige und gesunde Mahlzeiten in angemessenem Maßen und weniger Stress im Alltag ist hier für das Entgiften eine gesündere Herangehensweise."

 

A: "Empfehlen Sie in ihrer Praxis Fastenkuren?"

G: "Gründsätzlich nein, weil aus Sicht der klassischen Homöopathie das Fasten eher eine Schwächung der Lebenskraft darstellt. Ich rede mit den Patienten in meiner Behandlung klar darüber, welche Nahrungsmittel oder Genussmittel auf Dauer ungesund sind und welche reduziert werden sollten."

 

A: "Was kann die Homöopathie bieten, um dem "Bedürfnis der Reinigung des Köpers" nahe zu kommen?"

G: "Die klassische Homöopathie arbeitet sowieso grundsätzlich im Interesse des Körpers und nicht gegen ihn. Es werden bei einer chronischen Behandlung Ausscheidungen über Haut und Schleimhäute, zum Beispiel Schweiß, Verdauungsprozesse, stattfinden. Dies könnte man mit einer Reinigung gleichsetzen, wobei das Bedürfnis sich innerlich zu reinigen an sich schon ein "Symptom" darstellt. Eine gesunde Lebensfürhrung braucht keine zusätzliche Reinigung."

Glücklich und gesund - Alternativen zum typischen Fasten, Entschlacken oder Detox


 A: "Wie würden Sie eine gesunde Lebensführung definieren?"

  • G: "Genügend Schlaf,
  • ausreichende Bewegung,
  • ausgewählte, abwechslungsreiche, qualitative Nahrung
  • gute Partnerschaften,
  • gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen."

A: "...und gesunde Lebensführung in Bezug auf Medikamente?"

G: "Lebensnotwendige Medikamente müssen natürlich eingenommen werden. Allerdings neigt man in unserer Gesellschaft heutzutage dazu, wegen jeden Wehwehchens gleich die scharfen Geschütze aufzufahren und das sehe ich aus meiner Sicht als Homöopathin als absolut überzogen. Man sollte dem Körper die Zeit lassen, sich von selbst auszukurieren.
Die Lebenskraft ist durchaus in der Lage mit leichteren Erkrankungen wie Erkältungen zurecht zu kommen. Das dient auch der Immunabwehr und nebenbei erwähnt, ist das Fieber ja ein Heilungsversuch bzw. eine Reinigung des Körpers, die man zulassen sollte - genau wie Nasenabsonderungen oder Durchfall oder Hautsymptome. Der Körper versucht hier schon etwas auszuscheiden, was aber durch symptomorientierte Behandlungen wie Nasensprays, Hustensäfte, Cremes und und und unterdrückt wird. Auf der einen Seite rufen die Menschen nach Reinigung, auf der anderen Seite belasten sie den Körper dadurch, dass sie ihn nicht natürlich ausheilen lassen."

 

A: "Das heißt, Sie würden von Reinigungsfasten bzw. Heilfasten eher abraten?"

G: "Ja, weil

  • starke Abführmittel wie Glaubersalz eingesetzt werden,
  • dem Körper lebenswichtige Substanzen aus den Depots entzogen werden, die später wieder mühsam angesammelt werden,
  • vorher keiner prüft, was gereinigt werden soll (z.B. Leber, Darm, Blut) und hinterher keiner prüft, ob eine Reinigung tatsächlich stattgefunden hat. Nur das subjektive Gefühl wurde vermittelt, dass in dieser begrenzten Zeit alles "Gute" für den Körper getan wurde. In Wirklichkeit gibt es meistens keine Vergleichsmöglichkeiten und keine langanhaltende Verbesserung in der Gesundheit.

Der kurzfristige, scheinbare Heilungseffekt, der nach einer Fastenkur stattfindet, besteht ja nur darin, dass die Lebenskraft in dieser Zeit keine Kraft gefunden hat, Symptome zu zeigen. Nach einigen Wochen geht es mit den Beschwerden wieder von vorne los. Eine Schwächung der Lebenskraft führt nur dazu, dass die körperlichen Probleme später trotzdem wieder auftauchen." 

 

A: "Was für Fastenkuren würden Sie denn empfehlen?"

Gudrun Thielmann mit einem Zwinkern: "Theoretisch: Antibiotika-Fasten, Chemie-Fasten, Stress-Fasten, Zigaretten- und Alkohol-Fasten, Medien-Fasten. Praktisch empfehle ich, sein Leben zu überdenken und den Körper zu kräftigen und schützen, anstatt ihn zu schwächen."

 

A: "Können Sie uns noch einmal kurz erklären, was Ihre Aussage bedeutet, "die Lebenskraft sei zu schwach, Symptome zu zeigen"?"

G: "Die Lebenskraft ist die Energieform, die uns von unserer Zeugung bis zum Tod begleitet. Sie entscheidet über Wachstum und Gesundheit im Organismus. Äußere Einflüsse können sie beeinträchtigen. Eine normale, gesunde Lebenskraft zeigt sich eigentlich dadurch dass der Mensch relativ resistent ist gegen äußere Einflüsse. Die Symptome, die wir stets so negativ als Krankheit bezeichnen, werden von der Lebenskraft gebildet, um auf die Umwelt zu reagieren und einen ungesunden Zustand wieder in einen harmonischen Zustand umzuwandeln."

 

A: "...das heißt auch, dass die Lebenskraft uns vor Schlimmeren bewahrt, indem sie beispielsweise Symptome erzeugt und uns zeigt?"

G: "Ja, so ist es. Die Symptombildung ist quasi der Heilungsversuch. Das äußert sich natürlich auch in alltäglichen Fällen wie Fieber oder Schnupfen. Die Lebenskraft versucht mit diesen Beschwerden das Ungleichgewicht wie die Krankheitserreger aus dem Körper zu befördern. Wenn wir der Lebenskraft jedoch - durch starke Medikamente oder Diäten - Energie entziehen, ist sie nicht mehr in der Lage Symptome zu erzeugen. Der Betroffene denkt, weil keine Symptome mehr da sind, ist er jetzt gesünder, aber in Wirklichkeit ist dies nur ein Stillstand. Die Lebenskraft wird, sobald sie sich von der Medikamenteneinnahme oder Fastenkur erholt hat, die Symptome wieder erzeugen, weil es ihre Aufgabe ist, den Organismus in einem harmonischen Gleichgeweicht zu erhalten."

 

A: "Was gibt es aus ihrer Sicht Positives an Fastenkuren?"

G: "Nun ja, das Beste daran ist, dass sich während solch einer Kur vielleicht bewusst wird, was man im Alltag an ungesunden Lebensmitteln zu sich nimmt und, dass diese Nahrungsmittel während der Kur und vielleicht danach auch weggelassen werden: Fleisch, Tier- und Fritierfett, massig Süßes, Kaffee etc. und, dass man natürlich nette soziale Kontakte hat, mit denen man sich austauschen kann."

 

A: "Was gibt es für Sie an dieser Stelle noch zu sagen?"

G: "Interessant ist für mich, dass Menschen bereit sind für solche Kuren Unsummen zu zahlen, sich aber nicht dazu durchringen können, regelmäßig etwas in ihre Gesundheit zu investieren."

Ist Fasten wirksam? Wir raten zu einer Ernährungsumstellung, um gesund zu bleiben.
Jeden Tag fördern kleine Situationen wie diese das Gefühl des Glücks und damit auch die Gesundheit.

A: "Vielen Dank für das Gespräch, Frau Thielmann."

 

Die inneren Werte zählen

 

Wenn man wirklich beunruhigt ist, dass eventuell vorhandene Schadstoffe die eigene Gesundheit belasten, sollte man das untersuchen und anhand von Blutwerten und Gewebeproben ermitteln lassen. Hierauf wäre eine umfangreiche Nahrungsumstellung und/oder Therapie notwendig und kein kurzfristiges Fasten. Homöopathische Arzneien helfen Schadstoffe von jahrelanger Übersäuerung, Drogenkonsum oder Impfstoffen auszuscheiden, doch nur mit einer Klassischen Therapie und nie im Selbstversuch. Es ist auch ein längerer Weg bis dahin - das sollte man sich bewusst machen. 

 

Vor dem Fasten ist es hilfreich, sich selbst zu fragen: "Warum möchte ich fasten? Was ist mein Ziel? Ist es ein ideelles Ziel oder ein gesundheitswichtiges Ziel? Kann ich vorher die Blutwerte checken lassen und eine Wohlfühlliste machen, um im Nachhinein zu sehen, wie gut mir die Kur getan hat und wie lange dieses Gefühl wirklich anhält?"

Abgesehen von dem Druck, den manche sich machen, um das Gefühl zu haben, äußerlich schön oder innerlich gesund zu sein, sind doch die inneren Werte - unabhängig von Laborergebnissen - wichtig: Sind wir glücklich, ausgeglichen, fühlen wir uns gesund? Lachen wir genug am Tag und fühlen wir uns in unserer Haut wohl? Was kann man ändern, um die eigene Lebensqualität zu steigern?

Mit jedem Tag kann man seine eigenen Lebensbedingungen ein bisschen besser machen, auch weil man sich gesundheiltlich weiterbildet und aktiv wird. Dabei sollten wir nicht vergessen, das wir keine Maschinen sind, keine zu optimierenden Roboter, sondern Menschen mit Schwächen und Lüsten und diesem unseligen Appetit nach Schokolade, auch wenn sie mal so gar nicht Fairtrade oder biologisch oder gesund ist. Wir sind Teil eines großen Ganzen. So wie Lebensmittelkonzerne ihr Wirtschaften nachhaltiger und sozialer gestalten werden und Umweltabgase/-gifte durch moderne Technik redzuziert werden, so machen auch wir mit jeder Bewusstmachung und kleinen Taten die richtigen Schritte in Richtung dauerhafter Gesundheit und einem schönen, (schadstoff)unbelasteten Leben.

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