Warum frieren wir? - Teil 2 - Breitengrad und Homöopathika

Wenn Sie an Freunde oder Verwandte denken, fallen Ihnen sicher schnell einige besonders kälteempfindliche oder extrem kälteunempfindliche Typen ein. Ich habe beispielsweise eine Bekannte, die sich bei um die 16-18 Grad pudelwohl fühlt und deren Wintergarderobe weder Handschuhe noch Schal oder Mütze beinhaltet. Ich hingegen muss Hals und  Ohren vor Luftzug schützen, wenn ich nicht einen Tag später eine Mandelentzündung empfangen möchte.

Kalte Hände und Füße sind den meisten Männern fremd, für mache Frauen hingegen sind sie ein "typisch weibliches" Merkmal. So unterscheidet sich jeder Mensch vom anderen. Die einen lieben subtropisches Klima, andere vermissen den Schnee, wenn er ausfällt. Schauen wir uns diese Individualität an:

Friert jeder gleich? Welche unterschiedlichen Kälteempfindungen gibt es?

Egal, wo Sie leben, Ihre Genetik tragen Sie mit sich. So sind auch einige Menschen eher dafür geschaffen, hohe Temperaturen auszuhalten; andere kommen mit niedrigeren Temperaturen besser klar; einige brauchen täglich prallen Sonnenschein und fühlen sich in ihrem Gemüt gehemmt, wenn das Winterhalbjahr beginnt; andere warten sehnsüchtig darauf, wieder Ski zu fahren oder einfach nur in der frischen kühlen Luft zu spazieren. Das hängt davon ab, woher die Vorfahren stammen und wie durchmischt bzw. angepasst der jeweilige genetische Code ist.

In der Homöopathie wird bei der Behandlung durch einen gut ausgebildeten Heilpraktiker oder Arzt auch die genetische Konstitution berücksichtigt. (Siehe Klassische Homöopathie) Und gerade bei chronischen Erkrankungen ist es ein Grundbaustein für die perfekte Mittelwahl, Ihren Typus zu verstehen. Hierzu präsentiere ich kurz vier von ca. 3000 homöopathischen Arzneimitteln, deren Modalitäten ganz individuell erscheinen:

Kälte-Modalitäten einiger Homöopathika

Arsenicum album: Ein "Arsenicum-Typus" mag es grundsätzlich warm - außer, wenn Kopfschmerzen bestehen: hier lindern Kälteanwendungen. Ansonsten mummelt er/sie sich gerne in viele Decken ein und genießt fast eine Überhitzung. Typische "Arsenicum-Menschen" suchen sich einen Platz direkt am Lagerfeuer, Ofen oder Heizung. Es trifft häufig auf ältere Menschen zu, deren Wohnung z.B. ständig überheizt ist.

Aconitum: Ein typischer "Aconit-Patient" bekommt rasch zahlreiche Beschwerden durch trockene Kälte. Schon ein kleiner Lufthauch kann eine Erkältung zur Folge haben; bei kaltem Wind entstehen Ohrenschmerzen. Trotzdem mag er frische Luft und verträgt keine Hitze.

Silicea: Ein "Silicea-Typus" ist eine "wandelnde Frostbeule" und friert, egal welches Klima drum herum herrscht. Er/Sie hat ständig kalte Hände oder Füße und kennt es gar nicht anders. Einem "Silicea-Menschen" würde man zumindendest in der kalten Jahreszeit unterwegs nie ohne Mütze begegnen.

Pulsatilla: Ein entsprechender "Pulsatilla-Patient" hat eine Besserung der Beschwerden durch Kälte. Zwar hat diese Person oft kalte Füße, doch trotzdem empfindet er/sie diese Kühle als angenehm. Erst wenn die Füße Nässe ausgesetzt sind, entstehen Erkältungssymptome.


Wie man daran sieht, friert nicht jeder unter denselben Umständen und das hat seine biologischen Gründe. Diese sind manchmal schwierig nachzuvollziehen, doch meistens haben die Personen, z.B. auch die eigenen Kinder, recht, wenn sie sagen: "Ich will keine Jacke!" Selbst wenn es einem selbst beim Anblick eines zur Winterzeit nur in T-Shirt gekleideten Menschen friert, hat jede Individualität seinen Sinn.

Welcher Breitengrad passt zu mir?

Wir können ja leider nicht auf Wunsch dort geboren werden, wo wir uns auch körperlich am wohlsten fühlen würden. Doch, auch wenn Sie nicht vorhaben, auszuwandern, möchte ich Sie mit diesem Blog dazu anregen, sich eventuell ab und zu dort aufzuhalten, wo sie spüren, dass Ihnen das Klima bekommt. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um ein anderes Land handeln, denn bereits eine Reise innerhalb Deutschlands, von der Ostsee zu den Alpen, präsentiert eine Bandbreite von unterschiedlichen Mesoklimaten. Jede Umgebung wirkt auf uns mit ihrer Luftfeuchtigkeit, ihrem Luftdruck, der Sonneneinstrahlung und Temperatur. Kleine Veränderungen verträgt unser Körper gut und diese regen ihn an "nicht zu rosten", doch zu heftige Temperatur- bzw. Klimaschwankungen greifen auf Dauer auch das Immunsystem an. Darum gehen Sie mit mir vorerst auf eine globale Gedankenreise und fühlen Sie in sich hinein, welche der Regionen Ihnen wohl am besten entsprechen und Ihrer Gesundheit zu gute kommen könnten.

Die globalen Klimazonen:

Wie wir alle wissen, dreht sich die Erde im Verlauf von 24 Stunden einmal um sich selbst (Tag und Nacht). Zusätzlich rotiert sie innerhalb eines Jahres um die Sonne (das Jahr). Im Laufe des Jahres ändern sich durch die Achsenneigung der Erde je nach Ort Intensität, Dauer und Winkel des Sonnenlichteinfalls. Diese geneigte Rotationsachse der Erde um 23,4° bewirkt also die circa halbjährlichen Jahreszeiten in den jeweiligen Klimazonen.

 

Kalte Zone: In der Kalten Zone herrschen im Jahresdurchschnitt Temperaturen von -16 bis 1 °C. Hierzu zählen Nordkanada, Grönland, Nordrussland oder -skandinavien. Vermutlich würden die meisten Menschen nicht bevorzugt hier leben, doch Tundra, Nadelwald und häufiger Schneefall und Gletschereis haben, wenn man mit den Temperaturen klar kommt, wunderschöne Landschaft, Ruhe und Naturverbundenheit zu bieten. Hier ist der Sonnenlichteinfall gering, was ggf. zum erhöhten Verbrauch von Genussmitteln (z.B. Kaffee und Alkohol) führt. Dies ist eine wahrscheinlich unbewusste Handlung, um die dort übliche die Winterdepression zu überstehen, denn je nach Region und Jahreszeit (Sommer- oder Winterhalbjahr), dauern hier die Nächte bis zu 24 Stunden an.

Gemäßigte Zone: In der Gemäßigten Zone herrschen im Jahresdurchschnitt Temperaturen von -10 bis 15°C. Hierzu zählen z.B. der Norden der USA, Deutschland, Großbritannien, Teile der Türkei und China. In dieser Zone sind die Jahreszeiten am ausgeprägtesten, es gibt Frühling, Sommer, Herbst und Winter und entsprechend der Jahreszeit verändert sich die Sonneneinstrahlung. Die Tag-und-Nacht-Dauer schwankt innerhalb etwa 15 Stunden Tageslicht im Sommerhalbjahr oder ca. 15 Stunden Dunkelheit täglich im Winterhalbjahr. Außer auf dem asiatischen Kontinent ist in der Gemäßigten Zone vorwiegend Niederschlag vorhanden, die Winter sind demnach häufig feucht-kalt und Sommer häufig feucht-warm, Gummistiefel und Regenschirm sind hier ein üblicher Gebrauchsgegenstand.

 

Subtropische Zone: Nun kommt mein Favorit, die subtropische Zone. Hier herrschen das Ganze Jahr über Temperaturen von um die 15-24°C. Hierzu gehören Spanien, Südfrankreich, Italien, der Süden der USA, Mexico, aber auch Südjapan, Südafrika, Uruguay und Australien. Die Jahreszeiten sind hier nicht sehr ausgeprägt und die Sommer und Winter sind meist trocken. Es gibt insgesamt seltener Niederschläge. Südlich der Subtropischen Zone, entlang des Äquators, dehnen sich durch den geringen Niederschlag Wüsten aus. Diese Zone ist nichts für Sonnenscheue. Die Tag-Nacht-Dauer ist hier mit ca. 12 zu 12 Stunden annähernd ideal für den Menschen. 

 

Tropische Zone: In der Tropischen Zone herrschen kontinuierlich Temperaturen von über 18 bis ca. 30°C. Hierzu zählen alle Regenwaldregionen, wie Brasilien, Äthiopien und Nigeria, Südindien und Indonesien. Die Jahreszeit wird hier in Regenzeit und Trockenzeit eingeteilt. Wobei es auch in der Trockenzeit reichlich regnet, nur nicht täglich wie in der Regenzeit (Monsun). Es besteht also ein feucht-warmes Klima, die Vegetation ist immergrün und Insekten und Larven fühlen sich hier sehr wohl. Tag und Nacht dauern gleich lang an, was sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann. Auf manch einen wirkt das dieses stets gleichbleibende Tageszeitenklima ohne der in der Gemäßigten Zone üblichen Jahreszeiten zu monoton, für den anderen heilsam.

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